Zeven/Bad Bibra (dpa) l Was wird aus der Burgenlandkäserei und ihren rund 110 Beschäftigten? Das entscheidet am Montag der Aufsichtsrat des Deutschen Milchkontors, zu dem das Werk gehört. Die Hoffnung ist nicht groß, doch noch wollen Beschäftigte und Unterstützer der Burgenlandkäserei in Bad Bibra nicht aufgeben: Zur entscheidenden Aufsichtsratssitzung über die Zukunft des Werks hat die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) eine Protestfahrt ins niedersächsische Zeven organisiert.

Rund 60 Beschäftigte und Unterstützer wollen in der Nacht zu Montag 360 Kilometer weit zur Sitzung des Gremiums fahren, wie NGG-Regionalgeschäftsführer Jörg Most sagte. Vielleicht stimmt der Aufsichtsrat den Schließungsplänen der Geschäftsführung doch nicht zu. "Es wird sehr, sehr schwer, ihn umzustimmen. Aber wenn wir keine Hoffnung hätten, dann würden wir nicht hinfahren", sagte Most.

Die NGG, der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), und zahlreiche weitere Vertreter aus Politik und der Region versuchen seit Wochen, das Aus für das Werk mit rund 110 Beschäftigten zu verhindern. Ein Ende der Produktion beim wichtigsten Arbeitgeber der Region habe weitreichende Folgen, warnten sie. Die größte deutsche Genossenschaftsmolkerei Deutsches Milchkontor (DMK) hielt jedoch trotz mehrerer Gesprächsrunden in Bad Bibra daran fest, den Standort nächstes Jahr zu schließen. Das letzte Wort hat der Aufsichtsrat.

Reaktion auf Milchpreisverfall

Die Gruppe begründet den Schritt damit, dass sie wettbewerbsfähiger werden und den Milchbauern künftig höhere Preise zahlen wolle. DMK ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss aus 8600 Milcherzeugern und genossenschaftlichen Eigentümern. Bad Bibra ist nicht der einzige Standort, der auf der Kippe steht. Die Gruppe reagiert darauf, dass nach dem Milchpreisverfall im vergangenen Jahr viele Bauern ihre Lieferverträge kündigten. Es fehle Milch, um alle Werke auszulasten.

In Sachsen-Anhalt stießen die Argumente allerdings auf Kritik. Der Betrieb schreibe schwarze Zahlen, betonte Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch. "Die DMK-Gruppe vernichtet grundlos Arbeitsplätze." Der Wirtschaftsexperte der CDU-Fraktion, Ulrich Thomas, sprach von fadenscheinigen Gründen, um anderswo in der DMK-Gruppe zu optimieren.

Suche nach Alternativen

Auf der Suche nach Alternativen zum Aus des Werks sei es gelungen, allein im Burgenlandkreis Landwirte zu finden, die zusammen mehr als 40 Millionen Liter Milch liefern würden, argumentierte Landrat Ulrich. Es gebe mehrere Interessenten, die das Werk übernehmen würden. Doch DMK ging auf keinen der Vorschläge ein und betonte zuletzt, nur eine Nachnutzung abseits der Milchwirtschaft unterstützen zu wollen.