Halle l Für Tausende von gekündigten Prämiensparern der Sparkassen gibt es Hoffnung. Wie die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt mitteilte, hat das Amtsgericht Stendal im Dezember in zwei Verfahren festgestellt, dass die im Dezember 2016 erfolgten Kündigungen durch die Kreissparkasse Stendal nicht wirksam sind und die Prämiensparverträge weiterhin fortbestehen.

Zahlreiche Sparkassen-Kunden hatten in den zurückliegenden Jahren lukrative Prämiensparverträge abgeschlossen. Neben einer variablen Grundverzinsung wird jährlich ein Bonus auf die eingezahlten Sparraten gezahlt. Er fällt umso höher aus, je länger der Sparvertrag läuft. In Werbeflyern wurde mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren geworben.

Auch Harzsparkasse kündigt Verträge

Wegen der anhaltenden Nullzinsphase am Kapitalmarkt wollen viele Sparkassen diese Verträge loswerden. Zahlreiche Sparkassen haben Kündigungen ausgesprochen – neben der Stendaler Kreissparkasse die Sparkasse Anhalt-Bitterfeld (rund 2200 Prämiensparverträge) und die Harzsparkasse.

Auf die Sparkassenkunden selbst, so die Verbraucherzentrale, wirken sich die Kündigungen gerade im 15. Jahr erheblich negativ aus. Da die variable Grundverzinsung wegen des Zinstiefs seit Jahren gegen null tendiert, verbleibe nur der Bonus. Der werde in lukrativer Höhe aber erst erreicht, wenn der Kunde mehr als ein Jahrzehnt „tapfer durchhält“, wie die Verbraucherzentrale erläutert. Laut Verbraucherzentrale gehe es um die grundsätzliche Frage, ob Verbraucher der Aussage in Werbeflyern wie „bis zu 25 Jahre Laufzeit“ vertrauen dürfen oder ob die Sparkasse lange nach Vertragsabschluss sagen dürfe, das sei nur eine unverbindliche Werbung gewesen.

Die Urteile der Kreissparkasse sind noch nicht rechtskräftig. Die Verbraucherzentrale verwies darauf, dass der Streit mit der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld vor dem Bundesgerichtshof liege und dort eine abschließende Klärung erwartet werde.