Langenweddingen l Eine Frau im männerdominierten Metallbauerhandwerk: Das dürften sich viele als äußert schwierig vorstellen. Nicht jedoch Dörte Kärsten. Der 43-jährigen Langenweddingerin wurde das Metall quasi in die Wiege gelegt. Denn bereits ihr Uropa gründete vor 90 Jahren die Familien-Schlosserei „Stahl- und Metallbau Kärsten“ in Langenweddingen.

„Einen Schlosser gibt es in diesem Sinne heutzutage ja nicht mehr. Heute sind es die Stahl- und Metallbauer. Bis 2004 waren wir allerdings noch eine echte Schlosserei“, erklärt Dörte Kärsten. In jenem Jahr legten sie und ihr Vater nämlich ihre jeweiligen Firmen zusammen. Seither werden in dem Familienbetrieb Konstruktionen aus Metall gefertigt. Dazu zählen Zaunanlagen, Treppengeländer oder Balkone. So zum Beispiel die Balkone der „Wobau-Welle“, einem markanten Gebäude an der Elbe in Magdeburg, das sogar mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde.

Nach der Schule begann Dörte Kärsten mit einer Lehre zur Metallbauerin im Familienbetrieb. Anschließend arbeitete sie dort drei weitere Jahre als Gesellin. Nach einem Jahr auf der Meisterschule im sächsischen Roßwein kam sie zurück nach Langenweddingen (Landkreis Börde) und gründete dort ihre eigene Stahl- und Metallbaufirma.

„Ich wollte damals eigene Erfahrungen in Sachen Geschäftsführung sammeln. Das ging in meinem eigenen kleineren Betrieb besser“, so Kärsten. Zusammen mit ihrem Vater leitete sie ab 2004 den gemeinsamen Familienbetrieb. Seit 2008 ist sie alleinige Geschäftsführerin.

„Eigentlich gab es kaum Probleme mit Kunden, weil sie nun mit einer Frau als Chefin zusammenarbeiteten. Ich konnte mich immer ganz gut beweisen“, erinnert sie sich. Ein paar Vorurteile hat es aber dennoch gegeben: „Es kam schon vor, dass ein Kunde fragte, ob ich denn noch einen Mann zum Termin mitbringen könne, aber da steht man dann drüber.“ Schließlich ist sie es bereits seit der Lehre gewohnt, überwiegend mit Männern zusammenzuarbeiten.

Andersrum kommt es so jedoch auch zu lustigen Anekdoten: „Wenn ich mit dem großen Anhänger am Auto vorfahre und rückwärts einparke, staunen viele Männer meist nicht schlecht. Einer meinte mal: ‚Meine Frau kann nicht mal richtig geradeaus fahren und Sie parken damit so souverän ein‘“. Derzeit arbeiten neben Dörte Kärsten und ihrer Mutter ein Auszubildender und zehn Metallbauer bei Stahl- und Metallbau Kärsten. Von denen hatte einer sogar noch bei Dörte Kärstens Opa gelernt. Doch auch mit den Mitarbeitern gab es keinerlei Probleme, dass sie nun eine Frau als Vorgesetzte haben.

Eines ihrer beiden Kinder hat sie mit der Liebe zum Metall bereits angesteckt. Ihr Sohn Amadeus (18) macht derzeit sein Abitur in Magdeburg und möchte anschließend in Richtung Metallbau gehen. Ihre 13-jährige Tochter Anastasia weiß hingegen noch nicht, was sie später machen möchte. Gegen eine Karriere im Metallbaugewerbe hätte Mutti Dörte jedoch nichts einzuwenden.