Magdeburg l In keinem anderen Bundesland profitiert der Arbeitsmarkt so sehr von den Erneuerbaren Energien wie in Sachsen-Anhalt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS), die Sachsen-Anhalts Energieministerin Claudia Dalbert (Grüne) am Dienstag vorgestellt hat.

Demnach arbeiten rund 23000 Beschäftigte hierzulande im Bereich Erneuerbarer Energien. Pro 1000 Beschäftigte sind das 25 Mitarbeiter. Im Ländervergleich ist das der Spitzenwert, das im Ranking zweitplatzierte Mecklenburg-Vorpommern kommt auf 21 Mitarbeiter pro 1000 Beschäftigte. „Besonders stark entwickelt hat sich vor allem der Windkraftsektor“, so Dalbert. Allein hier waren laut Studie zuletzt mehr als 13 000 Beschäftigte tätig.

Die Firmen in diesem Bereich hätten sich Dalbert zufolge vor allem auf die Herstellung von Anlagen spezialisiert. Ein Beispiel sei der Anlagenbauer Enercon, der in seinen Tochterfirmen in Magdeburg etwa 5000 Mitarbeiter beschäftige. Geschäfte mit Wartung und Betrieb von Windparks seien in Sachsen-Anhalt hingegen weniger verbreitet.

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Dalbert geht davon aus, dass sich die Windenergie-Firmen auch in den kommenden Jahren stabil weiterentwickeln werden. Auch die Solar-Branche habe eine Zukunft im Land, glaubt die Energieministerin. „In der Krise 2012 ist die Beschäftigung in der Solarbranche deutschlandweit um 18 Prozent eingebrochen, in Sachsen-Anhalt hingegen nur um zehn Prozent“, so Dalbert. Um der Branche einen Schub zu geben, will die Ministerin künftig Bürgerenergie-Projekte stärker fördern. Gemeint sind dabei Projekte, in denen etwa ein Verein den Betrieb eines Solarparks übernimmt. Dalbert will hierfür in nächster Zeit bürokratische Hürden abbauen.

Trend geht zum Eigenverbrauch

Auch der Bundesverband Solarwirtschaft zeigt sich inzwischen wieder etwas optimistischer. „Zu Jahresbeginn zog die Photovoltaik-Nachfrage bei Eigenheimbesitzern und Unternehmern an“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig der Nachrichtenagentur dpa.

Der Trend gehe zum Eigenverbrauch – in Kombination mit Speichern. Der selbst erzeugte Solarstrom sei rund um die Uhr verfügbar und mit etwa 12 Cent pro Kilowattstunde preiswerter als beim Energieversorger.

Ob die Solarindustrie aber wieder deutlich mehr Jobs schaffen wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt arbeiteten in Sachsen-Anhalt gerade einmal noch 2000 Beschäftigte im Solar-Sektor. Einer der verbliebenen größeren Arbeitgeber in diesem Bereich ist der Solarkonzern Hanwha Q-Cells mit etwas mehr als 400 Beschäftigten. Vor der Krise war die Belegschaft des Unternehmens noch doppelt so stark, doch vor zwei Jahren stellte Q-Cells seine Produktion in Bitterfeld-Wolfen ein. Nach Pleite und Übernahme durch den südkoreanischen Konzern Hanwha wird in Bitterfeld nur noch geforscht. Gefertigt werden die Module aus Kostengründen dagegen in Fernost.

Neben den Sektoren Wind und Solar habe sich auch der Bereich Energie aus Biomasse zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickelt, betonte Claudia Dalbert am Dienstag. „Mittlerweile sind mehr als 7000 Beschäftigte in diesem Bereich tätig“, so die Ministerin.