Halle (dpa) l Ingenieure bleiben im Land weiterhin gefragt. "Grundsätzlich finden Ingenieure – wie in ganz Deutschland – auch in Sachsen-Anhalt eine gute Arbeitsmarktsituation vor", sagte ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesagentur für Arbeit in Halle. Das liege zum einen an der stabilen Konjunktur im Land und zum anderen am demografischen Wandel. Noch immer ist die Suche nach Nachwuchs allerdings in einigen Bereichen schwierig. Deshalb sollen verstärkt Schulen mit ins Boot geholt werden.

Die Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt rührt seit Jahren die Werbetrommel für neue Fachkräfte. Vor allem im technischen Bereich werden Ingenieure nach wie vor gebraucht, wie die Geschäftsführerin der Ingenieurkammer des Landes, Susanne Rabe, in Magdeburg sagte. Dramatisch sei besonders die Situation bei den Prüfingenieuren. Dort sank die Zahl seit den 1990er Jahren von 40 Beschäftigten zu heute um die Hälfte. Grund sei, dass viele der Beschäftigten aus Altersgründen nach und nach ausstiegen und kein Nachwuchs nachkomme.

Gezielte Nachwuchsförderung

In den kommenden fünf Jahren würden voraussichtlich rund 500 Mitglieder der Landesingenieurkammer in Rente gehen, erklärte Rabe. Das bedeute, dass Ingenieurbüros schließen und wichtige Dienstleistungen nicht mehr erbringen würden. Die Kammer fördere daher gezielt den Nachwuchs, um Übernahmen zu ermöglichen. Großes Potenzial gebe es in den Schulen.

"Spannender Technikunterricht kann dazu beitragen, die Schüler für ingenieurwissenschaftliche und technische Studienrichtungen zu begeistern", sagte Rabe. Um diesen an allen Schulen im Land zu verbessern oder zu etablieren, arbeite die Kammer derzeit eng mit der Universität in Magdeburg zusammen. Gemeinsam wollen sie herausfinden, wie unter anderem Schulen ausgestattet sein müssen, um guten Unterricht anzubieten. Denn allein aus dem Lehrbuch lässt sich Technik schwer vermitteln. Es brauche auch Techniklabors, so Rabe.

Auch mit Schülerwettbewerben wie "Junior.ING" sollen Mädchen und Jungen auf den Geschmack kommen. Bundesweit nehmen den Angaben zufolge jährlich rund 6000 Schüler und Schülerinnen daran teil. Sie konstruierten in der Vergangenheit etwa Stadiondächer, Brücken und Skisprungschanzen, so Rabe. Darüber hinaus wirbt die Kammer bei Berufsmessen um den Nachwuchs. Auch ein neues Netzwerk unter dem Motto "Young Professional" soll Absolventen, Interessierte und Berufseinsteiger mit etablierten Ingenieuren in Kontakt bringen.

Freie Stellen im Ingenieurwesen

Laut Bundesagentur sind derzeit knapp 170 freie Stellen im Ingenieurwesen gemeldet – so viele wie bereits vor fünf Jahren. Die Zahl der Beschäftigten stieg in den vergangenen Jahren leicht an. Den Angaben zufolge waren im Juni 2013 knapp 7260 Ingenieure im Land beschäftigt. Vier Jahre später gab es knapp 7390 Beschäftigte.

Nicht nur die Bundesagentur macht Ingenieure auf freie Stellen aufmerksam. Arbeitgeber würden sich vor allem bei der Suche nach hoch qualifizierten Mitarbeitern anderer Rekrutierungsmöglichkeiten bedienen, so der Sprecher. Dazu zählten die Suche auf speziellen Online-Plattformen oder mit sogenannten Headhuntern – einer Art Personalvermittlern, die im Auftrag einer Firma auf die Pirsch nach neuen Mitarbeitern gingen.