Magdeburg l Wissenschaftliche Publikationen werden oft von mehreren Forschern zusammen verfasst. Das Hin- und Hersenden der Arbeiten ist zeitaufwendig, der Austausch von Feedback mühselig und via Microsoft Word oft nur schwer zu vermitteln. Zudem hält die Welt der Zitate, Fußnoten und Quellenangaben viele Tücken parat. Allein die Formatierung nimmt oft so viel Zeit in Anspruch wie das Schreiben der Arbeit selbst.

Frederik Eichler (35) und Carsten Borchert (34) aus Magdeburg haben mit SciFlow eine Software entwickelt, die heute in 80 Ländern genutzt wird und das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten für Forscher einfacher macht.

Zeit und Nerven gespart

Mit ihrer Software können Wissenschaftler im intuitiven Texteditor von SciFlow zusammen an Arbeiten schreiben. Sie sehen das Feedback und die Änderungen des anderen. Planen Forscher, ihre Arbeit in einem bestimmten Journal zu veröffentlichen, kann direkt die entsprechende Formatvorlage verwendet werden. Das spart Zeit – und Nerven. „Das Veröffentlichen von Forschungsergebnissen in Fachzeitschriften beansprucht viel Zeit. Mit SciFlow kann diese Aufgabe effizienter gestaltet werden, da die Zusammenarbeit beim Erstellen eines Artikels vereinfacht wird und das Formatieren für die Zeitschrift automatisch erfolgt“, sagt Martin Gersch, Professor an der Freien Universität Berlin.

Die Universitäten in Magdeburg, Halle und Merseburg haben die SciFlow-Technologie bereits fest auf den Rechnern in den Bibliotheken installiert – wichtige, zahlende Kunden. Und auch die Max-Planck-Institute im Land verwenden SciFlow. „Die Software bietet Universitäten das Potenzial, auf Basis der SciFlow-Technologie eigene Publikationen zu veröffentlichen und zu verbreiten“, sagt Gersch.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Als Eichler 2009 seine Bachelor-Arbeit schrieb, merkte er immer wieder, wie viele Probleme seine Kommilitonen mit der Formatierung ihrer Arbeit hatten. LaTex, die Programmiersprache für Bücher, war zu kompliziert und Microsoft Word ist für die Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten nicht ausgelegt. „Meine Umfrage unter 1600 Studenten hat dieses These nur untermauert“, sagt Eichler.

Der richtige Zeitpunkt

Also entwickelte er im Rahmen seiner Master-Arbeit den Prototyp von SciFlow. Er und Borchert kannten sich bereits, beschlossen aber zunächst, nicht zu gründen. Beide wollten Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln. Eichler bei Capgemini in Berlin, Europas größter IT-Unternehmensberatung, und Borchert beim Software-Riesen Oracle in Potsdam. „Wir haben es damals aber auch nicht gemacht, weil die technischen Voraussetzungen noch nicht so weit waren“, sagt Eichler.

OpenAccess, der kostenfreie Zugang zu Forschungsveröffentlichungen also, war selbst 2014 noch ein Begriff, der nur im Wortschatz von Experten auftauchte. Als Borchert dann an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg promovierte, kam die Idee zurück. „In fünf Jahren hatte sich einfach nichts getan“, so der 34-Jährige. „Es war der richtige Zeitpunkt.“ Beide kündigten ihre gut bezahlten Jobs und stiegen 2016 Vollzeit bei SciFlow ein. Sowohl die Freie Universität Berlin als auch die Otto-von-Guericke-Uni in Magdeburg unterstützten das Duo in der Pilot-Phase. Die Rollen waren klar verteilt: Während Eichler das „Hirn“ hinter SciFlow ist, kurbelt Borchert den Vertrieb an.

Förderung von der Investitionsbank

Auf der Suche nach einem Praktikanten lernten beide Viktor Hahn kennen. „Schnell war klar, dass so einer wie Viktor mit seinen kreativen Ideen gefehlt hat.“ Mit seinem Abschluss im Web-Design war Hahn, der zuvor bei der Bundeswehr Mediziner für Einsätze ausgebildet hatte, die perfekte Ergänzung. Angst vorm Scheitern? „Die war nicht da. Im schlimmsten Fall hätten wir nach der Förderung gemerkt, es klappt nicht“, sagt Borchert. Um ein wissensbasiertes Unternehmen zu gründen, müsse man sich heute nicht mehr verschulden. SciFlow profitierte von der Förderung der Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

Förderung bis Ende 2019

Noch bis Ende 2019 wird SciFlow als eines von 20 innovativen Projekten zur Verbreitung von Open Access durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Und die ist auch notwendig, denn die Gründer haben große Pläne. „Nach Möglichkeit wollen wir SciFlow an allen deutschen Universitäten etablieren“, so Borchert.