Düsseldorf (dpa) l „Wir wollen in sichere Hände“ steht auf dem Plakat, das ein Real-Mitarbeiter den Aktionären des Mutterkonzerns Metro entgegenhält, die zur Hauptversammlung des Handelsriesen eilen. „Ich bin kein Restposten“, steht auf der Jacke eines Kollegen. Hunderte Mitarbeiter der vor der Zerschlagung stehenden Supermarktkette sind am Freitagmorgen zum Congress Center Düsseldorf gekommen, um am Rande des Aktionärstreffens für die Absicherung ihrer Arbeitsplätze und ihrer Löhne zu demonstrieren.

„Wir wären froh, wenn wir wüssten, was mit uns passiert: Ob wir geschlossen werden oder ob wir weitergehen an jemanden. Diese Ungewissheit ist ganz schlimm. Da kriegen sie es an den Nerven“, sagt eine Demonstrantin. Und einer ihrer Kollegen ergänzt: Das Problem sei, „dass man uns einfach links liegen lässt, als wären wir eine Ware, die im Regal irgendwo liegt. Wo man sagt, dieses Regal muss jetzt geräumt werden“. Pfeifkonzerte schallen den Aktionären entgegen. Auch ein paar Böller fliegen. Die Stimmung ist gereizt.

Nach dem Verkauf soll die Supermarktkette mit aktuell rund 34 000 Beschäftigten zerschlagen werden. Zwar wollen die Käufer einen Kern von 50 Real-Märkten für mindestens 24 Monate weiter betreiben. Der größte Teil der Filialen soll jedoch an andere Händler wie Edeka oder Kaufland gehen. Rund 30 Filialen sollen geschlossen werden.

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Durch den Verkauf an den Finanzinvestor SCP erwartet die Metro Nettomittelzuflüsse von 300 Millionen Euro. Das sind 200 Millionen Euro weniger als noch vor wenigen Monaten erhofft. Doch hat sich das Geschäft der kränkelnden Tochter in den vergangenen Monaten nicht gut entwickelt.

Eine Aktionärsvertreterin zeigt auch Verständnis für die Demonstranten vor der Versammlungshalle. „Für uns ist die Zitterpartie vielleicht im Sommer vorbei, für die Mitarbeiter fängt sie dann erst an.“ Die Demonstranten sind da allerdings schon längst abgezogen. Die Sprechchöre „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ sind verhallt.

Gestern wurde nicht bekannt gegeben, welche Filialen von Real nach dem Verkauf sofort in die Schließung gehen. Das Unternehmen betreibt im Großraum zwei Märkte in Magdeburg und einen in Staßfurt.