Magdeburg l In vielen Branchen stehen die Zeichen auf Krise. Im Handwerk herrscht aber noch immer überwiegend gute Stimmung. 62 Prozent der Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut. Das sind zwar sieben Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. „Wir befinden uns aber nach wie vor auf einem hohen Niveau“, sagt Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg (HWK) bei der Vorstellung der aktuellen Herbstkonjunkturumfrage.

Gründe für die blendende Auftragslage der Betriebe seien die niedrigen Zinsen, die gute Arbeitsmarktlage und die hohe Konsumfreude. Am besten schätzen die Firmen im Bauhaupthandwerk ihre Geschäfte ein (81 Prozent). Die Stimmung im Ausbauhandwerk ist gegenüber dem Vorjahr leicht eingetrübt. Während im vergangenen Jahr noch 81 Prozent der Befragten ihre Lage als gut bewerteten, sind es aktuell noch 66 Prozent. Auf dem Papier macht sich kaum bemerkbar: Durchnittlich sind die Auftragsbücher in beiden Gruppen für die nächsten elf bis zwölf Wochen gefüllt.

Auch bei den Erwartungen sieht es nach wie vor rosig aus. Der Geschäftsklimaindikator liegt laut HWK mit 91 von 100 möglichen Punkten auf einem sehr hohen Niveau. „Dem kommenden Jahr blicken wir sehr optimistisch entgegen, sagt Burghard Grupe.

Fakt ist aber auch: Nach langen Jahren des wirtschaftlichen Wachstums sei nun eine Grenze erreicht. „Wir sehen die ersten Bremsspuren“, so Grupe.

Am langen Warten auf den Handwertertermin hingegen dürfte sich nicht so schnell etwas ändern. Die durchschnittliche Auslastung der Betriebe liegt bei 82 Prozent. In den vergangenen beiden Jahren war sie etwas höher. Trotzdem gibt fast ein Drittel der Betriebe eine Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent zu Protokoll.

Neue qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, bleibt für die Betriebe schwierig. Sie kommen der derzeit starken Auftragslage kaum hinterher. „Der Fachkräftemangel bremst die Konjunktur aus. Unsere Betriebe könnten wachsen, wenn genügend Fachkräfte vorhanden wären“, so Grupe.

Politische Rahmenbedingungen nachbessern

Nachgebessert werden müsse bei den politischen Rahmenbedingungen, fordert HWK-Präsident Hagen Mauer. Bei der Entbürokratisierung komme die Bundesregierung nicht voran. Die Mittelstandsstrategie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wiederum sei ein richtiger Ansatz. Altmaier strebt unter anderem eine Reform der Unternehmenststeuer und Maßnahmen zum Bürokratieabbau an. Auf Ebene der Landespolitik übt Mauer Kritik an der schleppenden Einführung des Azubitickets. „Wir kämpfen nun schon seit Jahren dafür, doch es passiert nicht.“ Dabei sei das Ticket eine der Maßnahmen, mit denen die berufliche Bildung attraktiver werden könne.