Magddeburg l Sachsen-Anhalts Wohnungswirtschaft droht eine Leerstandswelle. Besonders betroffen: das flache Land. Das könnte Wohnungsfirmen ruinieren.

Magdeburg l Vielen Wohnungsunternehmen im ländlichen Sachsen-Anhalt drohen düstere Zeiten. Grund ist nach Angaben zweier Dachverbände wachsender Leerstand: 2017 meldeten demnach 43 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen eine Zunahme leerstehender Wohnungen, 33 Prozent gar einen Leerstand von mehr als 15 Prozent. „Ab 15 Prozent wird es problematisch“, sagte Burkhard Jarzyna, Verbandsdirektor der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt (VDW), am Dienstag bei der Vorstellung des gemeinsamen Jahresberichts mit dem Verband der Wohnungsgenossenschaften (VdWg) in Magdeburg. Die Verbände vertreten 195 kommunale und genossenschaftliche Unternehmen mit 330.000 Wohnungen. Das sind fast 43 Prozent aller Mietwohnungen im Land.

Schon jetzt gebe es in Altmark oder Mansfelder Land Unternehmen mit 30 Prozent Leerstand, so Jarzyna. Die Schere zwischen Stadt und Land klafft dabei immer weiter auseinander: So lag die Leerstandsquote in Magdeburg und Halle 2017 durchschnittlich nur bei 5,8 Prozent, im Rest des Landes bei 12,7 Prozent. Grund für den Trend sind nach Ansicht von VdWg-Direktor Ronald Meißner neben dem gravierenden Bevölkerungsrückgang in vielen Landkreisen auch falsche politische Weichenstellungen: So erhielten Wohnungsunternehmen über das Programm Stadtumbau zwar Zuschüsse für Abrisse, diese deckten oft aber nur 70 Prozent der Kosten. Außerdem sei die Förderung nur bis Ende 2019 gesichert. Wie es danach weitergeht, sei offen.

Genug Wohnraum in Sachsen-Anhalt

Der Befund reihe sich ein in eine „zunehmende Schieflage“ auf mehreren Ebenen, sagte Meißner. „Man erwartet von uns, immer mehr zu sanieren und zu investieren, gleichzeitig dürfen die Mieten aber kaum steigen.“ Die Politik übertrage Schlussfolgerungen aus dem Wohnungsmangel in Berlin oder Hamburg fälschlicherweise aufs ganze Land. Dabei gebe es in Sachsen-Anhalt genug bezahlbaren Wohnraum. Die durchschnittlichen Kaltmieten bei den Mitgliedsunternehmen gehörten mit 5 Euro je Quadratmeter zu den günstigsten im Bund. Für „absurd“ halten die Verbände daher auch eine Gesetzesreform, die die Beteiligung von Mietern an Modernisierungskosten neu regelt: Ab 2019 darf die Miete in günstigen Wohnungen nach Sanierungen nur noch um zwei statt drei Euro je Quadratmeter und Monat steigen.

Die Folge: Das größte deutsche Wohnungsunternehmen Vonovia hat bereits angekündigt, Modernisierungen um bis zu 40 Prozent zurückzufahren. „Auch bei uns lassen sich Sanierungen damit oft nicht mehr wirtschaftlich darstellen“, sagte Burkhard Jarzyna. „Daher wird deutlich weniger passieren.“ Fatale Folgen hätte nach Ansicht der Verbände auch das Scheitern einer geplanten Grundgesetzreform. Diese soll es dem Bund ermöglichen, den Ländern bei der Finanzierung des Schulsystems zu helfen. Sie betrifft aber auch die Wohnungswirtschaft: Ende 2019 läuft eine Regelung aus, derzufolge der Bund den Ländern Geld für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen darf. Soll auch darüber hinaus Geld fließen, braucht es die Reform. Andernfalls würden jährlich 60 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau im Land fehlen, sagte Ronald Meißner. Die Mehrheit der Länder lehnt die Reform in ihrer jetzigen Variante ab. Hauptgrund: Bei künftigen Bund-Länder-Projekten sollen die Länder die Hälfte der Kosten selbst beisteuern.

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