Berlin (dpa) - Einsame Wölfe sieht man in der Natur eher selten, aber im Fernsehen schon öfter mal. Jetzt kommt noch einer hinzu: Der Zürich-Krimi, der an diesem Donnerstag (20.15 Uhr, Das Erste) mit der Folge Borcherts Fall startet.

Die zweite Folge Borcherts Abrechnung folgt dann am kommenden Donnerstag (5.5.), unter der Regie des kürzlich gestorbenen Carlo Rola.

Im Zentrum steht der ehemalige Wirtschaftsanwalt Thomas Borchert (Christian Kohlund), der in Frankfurt in einen Bestechungsskandal verwickelt war und den es nunmehr in seine Heimatstadt Zürich verschlagen hat. Während eines Marktbesuchs beobachtet er einen Diebstahl: Die junge Asiatin Amihan (Kotti Yun) wird kurz darauf sehr rüde festgenommen.

Als Borchert ihr zur Hilfe eilt, landet er gleich mit auf der Polizeiwache. Dominique Kuster (sehr gut: Katrin Bauerfeind), eine engagierte, junge Rechtsanwältin, übernimmt den Fall der inhaftierten Amihan. Zeitgleich wird bekannt, dass der sechsjährige Daniel, Sohn des ehemaligen Radprofis Urs Frisch (Michael Lott), entführt wurde.

Verdächtigt wird das Kindermädchen der Familie, Amin. Nach und nach kommen Dominique und Borchert einem perfiden Netzwerk von gut situierten Schweizer Bürgern auf die Spur, in dem junge Menschen aus Südostasien quasi als Haussklaven gehalten werden. Auch Borcherts frühere Geliebte Charlotte (Leslie Malton) ist offenbar darin verwickelt.

Borchert lebt in einem silbernen Wohnwagen auf dem Grundstück seiner Eltern, samt idyllischem Seeblick und verfallener Villa. Dorthin hat er sich förmlich verkrochen, um nichts mehr von den früheren Verfehlungen zu hören und zu sehen, an denen er eben nicht ganz unbeteiligt war. Er hadert sichtlich mit der korrupten Welt, bezeichnet sich selbst als blinden Trottel und will sich künftig an das Motto Schweigen ist die Tugend des Wissenden halten. Wenn es ihm während des Filmes mit seinen gesellschaftskritischen Themen doch zu bunt wird, dann verabschiedet er sich mit den dürren Worten: Ich gehe besser, bevor ich kotzen muss.

Hoffentlich ist das kein Lebensmotto für den Schweizer Schauspieler Christian Kohlund (65), den man bislang aus eher seichter TV-Unterhaltung kennt wie Traumhotel, Alpenklinik oder Insel der Träume. Borchert war sicher mal ein großer Idealist, besessen von der Suche nach Gerechtigkeit, und er war ein Spitzenwirtschaftsanwalt, sagte Kohlund im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dann hat er sich korrumpieren lassen und sich etwas verloren, sich selbst bereichert hat er jedoch nicht.

Obendrein hat ihm das Privatleben einen schweren Schicksalsschlag verpasst. Jetzt befindet er sich in einer Lebensphase, in der er nicht mehr in den Spiegel blicken kann. Er will zu dem stehen, was er getan hat, und er will nun reinen Tisch machen - ganz egal, was es kostet -, und er will Dinge aufklären, für die er gar nicht verantwortlich ist. Borchert ist ja ein sehr spröder und einsamer Mann, der so manche Illusion verloren hat, und trotzdem ist dieser Hang zum Idealismus weiter in ihm drin - und eben sein Drang zur Gerechtigkeit, so Kohlund.

Das kann man ihm förmlich ansehen. Der ruhig erzählte Film (Regie: Matthias Steurer) mit dem doppeldeutigen Titel zeigt einen verbitterten Mann, der immer wieder von seiner unrühmlichen Vergangenheit eingeholt wird. Kohlund spielt ihn sehr zurückgenommen, mit zumeist undurchschaubaren, verhärmten Gesichtszügen; seine imposante Gestalt ist dabei in einen dicken Mantel mit hochstehendem Kragen gehüllt. Am eindrucksvollsten aber ist seine markante Stimme, die einen gelegentlich erschauern lässt.

Das gilt umso mehr dann, wenn man ihn auf der Bühne sieht, so wie derzeit in dem Stück Die Netzwelt an den Hamburger Kammerspielen. Dazu sagt Kohlund: Man bekommt ja auch nicht immer die ganz große Chance auf die anspruchsvollsten Rollen. Aber natürlich hat man als Schauspieler eine große Bandbreite, ich habe ja auch viele ernste Figuren in Filmen und auf der Bühne gespielt. Ich freue mich, dass ich nun mal eine andere Farbe von mir zeigen kann, die ganz meinem Alter entspricht.

Der Zürich Krimi: Borcherts Fall