Berlin (dpa) - Das Idyll könnte perfekter nicht sein, im Tessiner Bergdorf Sonogno Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Wildbach rauscht, die Wildblumen blühen, die Zicklein springen munter umher, und am klaren Himmel strahlt die Sonne, was das Zeug hält.

So romantisch beginnt der Film Die Schwarzen Brüder, der am heutigen Mittwoch um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen ist. Aber mit der Romantik ist es bald jäh vorbei.

Der 14-jährige Giorgio (Fynn Henkel) lebt zwar in armen, aber doch glücklichen Verhältnissen. Eines sonnigen Tages wird seine Mutter (Sabine Timoteo) von einem Adler angegriffen, stürzt einen Berghang hinunter und erleidet einen komplizierten Beinbruch. Da taucht Antonio Luini (Moritz Bleibtreu) auf, der Mann mit der Narbe.

Luini bietet Giorgios Vater (Leonardo Nigro) viel Geld, mit dem er einen Arzt bezahlen könnte. Luini hat nur ein Ziel: Er will den Jungen zu Geld machen. Schweren Herzens wird Giorgio an ihn verkauft, wie ein Stück Vieh. Auf der gefährlichen Reise nach Mailand, über wilde Wasser und durch tiefe Wälder, freundet sich Giorgio mit Alfredo (Oliver Ewy) an, mit dem er das Schicksal teilt.

Noch am Tag ihrer Ankunft werden beide in einer furchtbaren Feilscherei an Kaminfegermeister verkauft: Die Tessiner Jungs sollen künftig als Spazzacamini arbeiten. Das bedeutet, dass sie als lebendiger Besen in heiße Kamine steigen müssen, um sie mit bloßen Händen vom Ruß zu befreien. Giorgios Meister Battista (Waldemar Kobus) ist zwar ein gemütlicher Mann, doch seine streitsüchtige Frau (Catrin Striebeck) macht ihm das Leben zur Hölle.

Einziger Lichtblick ist Battistas Tochter Angeletta (Ruby O. Fee) aus erster Ehe, die an einer schweren Lungenkrankheit leidet. Die Kaminfegerjungen gründen heimlich den Bund der Schwarzen Brüder und planen - mit der Hilfe von Pater Roberto (Richy Müller) - schließlich die Flucht zurück ins Tessin. Doch ihr Anführer Alfredo kommt durch die Folgen der unmenschlichen Knochenarbeit ums Leben.

Unter der Regie von Xavier Koller (71, Oscar für Reise der Hoffnung, 1991) entstand ein netter Abenteuerfilm für die ganze Familie. Er basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker von Lisa Tetzner, der 1941 erschien, und hält sich ziemlich genau an die Vorlage.

Die Bilder (Kamera: Felix von Muralt) reichen von den Tessiner Alpen über den Lago Maggiore bis weit über die Dächer von Mailand, sie führen aber auch hinab in tiefe Katakomben, verruchte Kneipen und tiefschwarze Kamine. Die Musik (Balz Bachmann) streicht mit sanften Geigentönen durch den Film.

Das Geschehen dreht sich um Werte wie Aufrichtigkeit, Freundschaft und Zusammenhalt in einer kalten, herzlosen Welt. Das ist schön und gut, aber leider packt es den Zuschauer nicht so recht. Das liegt vor allem an der Synchronisation der deutsch-italienisch-schweizerischen Koproduktion, aber auch an den zumeist jungen Schauspielern, die doch ziemlich hölzern agieren und ihre Texte mehr aufsagen als spielen.

Allein Fynn Henkel (Tiere bis unters Dach) vermag hier zu überzeugen. Es sollte seine einzige Hauptrolle bleiben, denn der hoffnungsvolle 18-jährige Schauspieler starb im August dieses Jahres. Er wurde bei einem Unwetter von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Er hatte in seinem Zelt auf einer Budapester Donauinsel geschlafen.

Die Erwachsenen im Film fungieren ohnehin weitgehend als Statisten, wobei Waldemar Kobus als gutherziger Meister zu glänzen vermag. Moritz Bleibtreu - im wehenden schwarzen Umhang - darf als Teufel, der Kinder kauft und verkauft, ein wahrlich diabolisches Grinsen zeigen, samt nahezu ständig qualmendem Zigarrenstummel im Mundwinkel.

Am Ende kehrt Giorgio zusammen mit Angeletta in die Heimat zurück, und damit in das anfängliche Idyll. Fazit: Ein teilweise allzu plakativer, insgesamt aber doch unterhaltsamer Film, der dem Zuschauer wahrlich finstere Zeiten vor Augen führt.

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