Berlin (dpa) - Dass die Atommächte im Kalten Krieg Schutzbunker gebaut haben, gehört zum Grundwissen Geschichte - aber wer weiß schon, dass Hunderttausende dieser Trutzbauten immer noch die Landschaft im kleinen Albanien prägen? Die ZDFinfo-Dokumentation "Geheime Bunker" (Dienstag, 2.6., 20.15 Uhr) nimmt sich der Geschichte rund um die unterirdischen Relikte aus angsterfüllten Zeiten an. In zwei Folgen beleuchtet die Dokumentation acht dieser geheimen Bauwerke, ihre Besonderheiten und ihre Geschichte.

Im litauischen Plokstine etwa stationierten die Sowjets im Kalten Krieg Raketen mit atomaren Sprengköpfen. Nicht einmal die Dorfbevölkerung sollte wissen, dass sich unter den unscheinbaren Stahlbetonkuppeln Massenvernichtungswaffen befanden. Rausgekommen sei es aber trotzdem, erzählt ein ehemaliger Offizier - die Soldaten seien schließlich regelmäßig ins Dorf gegangen, um Schnaps zu holen und hätten sich mit der Bevölkerung angefreundet.

Insbesondere durch solche Zeitzeugenberichte zeichnet das Team rund um Filmemacher Andreas Vennewald die Stimmung der Zeit gut nach. Die Dorfbevölkerung in Angst vor dem atomaren Gegenschlag, die Offiziere in Angst vor Unfällen im Raketenstützpunkt und die Welt in genereller Angst vor dem Atomkrieg. Dazwischen menschelt es immer wieder. Banale Alltagsbeobachtungen erinnern daran, dass man sich mit der Bedrohungslage zu arrangieren wusste.

Die Doku zeigt auch: Bunker sind und waren nicht nur technische Schutzanlagen, sondern auch immer strategische Orte. So auch der Bunker des Warndienstes für den Schutz der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im niedersächsischen Bassum oder die atomsichere Nachrichtenzentrale der ostdeutschen Volksarmee.

Während bei vielen der vorgestellten Bauten teils rationale Ängste eine Rolle spielten, nahm der Bunkerbau im kleinen Albanien fast paranoide Züge an. Mindestens 200 000 Stahlbetonbauten hat Diktator Enver Hoxha in die Landschaft des für Jahrzehnte isolierten Balkanstaates bauen lassen. Noch heute prägen sie vielerorts das Landschaftsbild, zieren Strände oder dienen als Unterstand für Kühe, wie die Doku zeigt.

Die Idee des Diktators: Im Falle einer Invasion sollte sich das Land gegen etwaige Besatzer verteidigen können, Zivilisten wurden in den Bunkern militärisch ausgebildet, wie ein Zeitzeuge erzählt. Für die Bevölkerung sei klar gewesen: "Das ganze Land ist eine militärische Kampfzone."

Geheime Bunker