Berlin (dpa) - Wenn Gerald Plassek in die Tasten haut, nehmen die Bierdosen auf seinem Schreibtisch bei weitem mehr Platz ein als der Laptop. Der abgetakelte Journalist, der schon bessere Zeiten gesehen hat, fristet sein Dasein beim Anzeigenblatt "Tag für Tag" in St. Pölten und verbringt im Grunde die meiste Zeit in seiner Stammkneipe "Zoltan".

Beim gleichnamigen, schweigsamen Wirt und mit seinen paar Freunden, die auch nur das Eine im Sinn haben: sich ein Bierchen nach dem anderen hinter die Binde zu kippen.

Dass so eine Type zum Held eines Films wird, hat der Fernsehzuschauer in erster Linie dem Romanautor Daniel Glattauer zu verdanken, der die Vorlage für "Geschenkt" lieferte. Und dem Österreichischen Rundfunk ORF, der die sentimental-anrührende Story um den Schreiberling Plassek verfilmte. Hauptdarsteller ist Thomas Stipsits (56), der dem deutschen TV-Zuschauer seit 2012 vor allem als Polizist Manfred Schimpf im österreichischen "Tatort" mit Adele Neuhauser und Harald Krasnitzer bekannt ist. Die bizarre Reporter-Posse ist am Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen.

Aber was passiert denn nun da in St. Pölten? Plassek schreibt für sein Gratisblatt häufiger über soziale Projekte. Mal über ein Obdachlosenheim, in dem die Heizung auszugehen droht, weil es an Geld mangelt, oder über ein Kinderheim, dem die Schließung bevorsteht, wenn nicht ein guter Engel hilft. Nicht dass diese Geschichten jedesmal Pulitzer-Preis-verdächtige Storys wären - nein: Aber immer wenn Plassek - und ausschließlich der Trinker Plassek - über die sozialen Einrichtungen schreibt, sendet ein anonymer Spender mit der Post 10 000 Euro und sorgt für Jubel.

Eines Tages hinterlässt ihm seine Ex-Freundin ihren 14-jährigen Sohn Manuel (Tristan Göbel), weil sie für einige Zeit ins Ausland muss. Im Videochat gesteht sie Plassek zwischendurch, dass der Junge von ihm stammt - jetzt kann sich Plassek auch endlich erklären, warum Manuel die selbe Antriebslosigkeit hat wie er selbst. Aber auch etwas anderes wohnt dem Jungen inne: ein soziales Gewissen. Denn Manuel will, dass sein Vater über die aus Nigeria stammende Familie seines besten Freundes schreibt - sie soll ausgewiesen werden. Ob der Spender noch ein weiteres Mal sein Herz und seine Schatulle für die zu erwartenden Anwaltskosten öffnet? Und wer ist der edle Mensch überhaupt?

Gut tut dem recht langsamen Film der Auftritt von Julia Koschitz, die als Lehrerin des Sohnes plötzlich auf die Idee kommt, mit dem (Pflege-)vater einen trinken zu gehen und dabei seinem Leben neue Bewegung verleiht. Film-Sohn Tristan Göbel ist trotz seiner erst 17 Jahre eingefleischten Kinogängern längst ein Begriff, denn er spielte einen der beiden Abenteuer-Jungen im Roadmovie "Tschick" und im biografischen Milieu-Thriller "Der Goldene Handschuh" eine Nebenrolle - "Geschenkt" traf in Österreich bereits den Nerv des Publikums. Bei der Erstausstrahlung vor einem Jahr wurden laut ORF bis zu 730 000 Zuschauer gemessen - das war fast jeder 10. Österreicher.

Laut Schauspieler Stipsits ist Plassek jemand, der die Sinnhaftigkeit in seinem Leben verloren habe. Was der Geschichte ihre Eignung zum Weihnachtsfilm beschert, sei, dass plötzlich etwas passiere, "das ihn komplett aus der Bahn wirft und ihn schließlich zu einem besseren Menschen macht", wie Stipsits in einem vom ORF veröffentlichten Interview sagte. "Gerade weil ich immer eher sympathische Charaktere gespielt habe, war diese Rolle eine Herausforderung für mich und hat wirklich gutgetan. Denn zu Beginn des Films ist Plassek nicht unbedingt eine sympathische Figur.

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