Berlin (dpa) - Weihnachtszeit ist Märchenzeit, ganz klar. Da wird viel vorgelesen, da werden hübsche Lieder gesungen und nette Reden geschwungen.

Und natürlich laufen im Fernsehen auch allerlei märchenhafte Filme - gewollt und ungewollt. Eine ganz besondere Geschichte bietet der Film Glückskind, der an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Nach irgendwelchen Glückskindern sieht es allerdings zu Beginn überhaupt nicht aus. Hans Scholz (Herbert Knaup) ist definitiv keines - er lebt vereinsamt in einem ziemlich trostlosen Wohnblock im nordbadischen Rastatt. Seine Wohnung ist restlos vermüllt und bietet ein Bild des Jammers, er selbst schaut mit struppigem Haar und Zausel-Bart auch nicht viel besser aus. Warum der arme Mann arbeitslos ist und warum ihm seine Frau davon lief, unter Mitnahme der gemeinsamen Tochter - das erfährt man nicht so recht oder erst sehr spät. Ein paar Bilder aus dem Familienalbum oder Schnipsel aus Videofilmen helfen da auch nicht wirklich weiter.

Dann taucht ein weiteres Glückskind auf, das aber zunächst auch keines ist - denn es liegt im Müll. Das Baby wird ebendort von Hans gefunden, und er nimmt es sofort bei sich auf. Künftig Felizia (Die Glückliche) genannt, kümmert sich der alleinstehende Mann rührend um das Kind - mangels einem Milchfläschchen wird da die kostbare Nahrung schon mal in einer (zuvor gespülten) Bierflasche erwärmt. Auch Mann und Wohnung werden einem gründlichen Putz unterzogen.

Dann werden andere Menschen auf den Zuwachs aufmerksam: Das exil-iranische Nachbars-Ehepaar Tarsi (Naomi Krauss, Mohammad-Ali Behboudi) kümmert sich alsbald auch um das Mädchen, und der Kioskbetreiber Wenzel (Thomas Thieme) - der Hans immer mal wieder Geld leiht - meldet sogar Ansprüche an: Jedes Kind hat doch zwei Großväter. Und natürlich taucht auch die Kindesmutter (Alice Dwyer) auf, die wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt.

Glückskind ist die TV-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Steven Uhly. Regisseur Michael Verhoeven (77, Let's go!, Bloch) sagte in einem Interview mit dem Sender: In tieferen Schichten geht es den beiden alten Männern darum, die Mutter des ausgesetzten Babys zu finden und ihre Motive herauszufinden. Und Hans Scholz fahndet nach der Adresse seiner Tochter Hanna, die alle Brücken zu ihm abgebrochen hatte. Gibt es einen Weg zurück? Die Antwort darauf liefert er mit seinem Film: Nein, einen Weg zurück gibt es nicht. Wohl aber einen Weg nach vorn, und den geht Hans am Ende: Er fährt mit dem Zug zu seiner Tochter nach Berlin. Herbert Knaup (59, Die Kanzlei, ARD) spielt diesen schließlich glücklichen Hans mit einer wunderbaren Mischung aus ruppigem Charme und berührender Zärtlichkeit.

Der Film ist gut gemeint und gut gemacht, etwas zu brav inszeniert vielleicht, aber mit leisem Humor und ohne kitschige Melodramatik - auch wenn er den Begriff Glück ein wenig überstrapaziert. Zu sehen sind also schon zwei Glückskinder: Das eine findet den Sinn des Lebens wieder und übernimmt von jetzt auf gleich eine gehörige Portion Verantwortung, das andere hat buchstäblich einfach Glück, weil es in die richtigen Hände kommt. Allzu glaubwürdig ist diese Geschichte zwar nicht, aber anrührend ist sie durchaus - zumal sie voller Gutmenschen steckt, was zeitweise kaum zu ertragen ist. Egal: Fast möchte man wissen, wie es nun weitergeht - folgt also demnächst Glückskind 2? Auch die Fortsetzung würde natürlich perfekt in die märchenhafte Vorweihnachtszeit passen.

Glückskind