Berlin (dpa) - Prachtvolle Schlösser und Burgen, üppige Roben und edle Pferde, Prinzen und Prinzessinnen oder einfach nur junge Menschen aus dem Volk.

Alle Helden müssen einen langen Weg durch einsame dunkle Wälder und mühevolle Aufgaben zurücklegen, bis sie am Ende zu Lebensklugheit gelangen, ihre zweite Hälfte finden und heiraten dürfen. So sieht sie aus, die Welt der Märchen von Grimm, Andersen, Hoffmann und Co. Und wer möchte zum Feste der Liebe und der Familie auf diese uralten, herzerwärmenden und psychologisch tiefgründigen (Lehr-)Geschichten verzichten? Fürs Fernsehglück zeigt die ARD schon seit 2008 in einer senderübergreifenden Reihe für Kinder und Erwachsene zu Weihnachten davon Sechs auf einen Streich.

Bereits 34 Filme gibt es bis dato - sie erreichten im Schnitt knapp zwei bis knapp drei Millionen Zuschauer zur Erstausstrahlung. Vor allem waren es die Klassiker, die oben an der Beliebtheitsspitze standen, allen voran Frau Holle (3,53 Millionen Zuschauer).

Doch immer mehr erzählt das Erste auch weniger Bekanntes. So wie dieses Jahr: Vier neu verfilmte, zumeist vergessene Dichtungen flimmern dann in die Wohnzimmer, drei davon nach Motiven der Brüder Grimm: am ersten Weihnachtstag (25. Dezember) Die Salzprinzessin (14 Uhr) und E.T.A. Hoffmanns Nussknacker und Mausekönig (15 Uhr), am zweiten Feiertag (26. Dezember) Prinzessin Maleen (14 Uhr) und Der Prinz im Bärenfell (15 Uhr). Bereits jeweils ab 12 Uhr sind Wiederholungen zu sehen: Schneeweißchen und Rosenrot und Aschenputtel, beziehungsweise Frau Holle und König Drosselbart.

Von der Salzprinzessin, die Tatort-Regisseur Zoltán Spirandelli in einer Produktion von Askania Media für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) auf dem Wasserschloss Ehreshoven und im Bergischen Land bei Köln genregerecht stimmungsvoll eingerichtet hat, existieren bei den beiden Überlieferungssammlern Grimm nur bruchstückhafte Aufzeichnungen. Sie wurden entsprechend ausgeschmückt und modernisiert. Es ist ein kleines Märchen, von denen dazu noch mehrere Varianten vorliegen, erklärt ARD-Märchenexpertin Sabine Preuschoff, dabei eine richtig tolle Geschichte von einem Vater und einer Tochter, die einander sehr mögen, sich aber auch furchtbar streiten - und die zeigt, wie man trotzdem wieder zusammen kommt.

Wie immer bei Sechs auf einen Streich ist es eine Mischung aus längst etablierten Stars und Nachwuchsschauspielern, die das hier im Biedermeier angesiedelte Geschehen lebendig werden lassen. Den alten, lange uneinsichtigen König, der wie Shakespeares Lear sein Reich derjenigen seiner drei Töchter übergeben will, die ihn am meisten liebt, verkörpert der knorrige ZDF-Wilsberg-Darsteller Leonard Lansink. Und als seine verstorbene Gattin und weise Frau wandelt Sophie von Kessel (Besser als du) durch das Gehölz.

Newcomer sind Leonie Brill als allzu eigensinnige Tochter Amelie und Elvis Clausen als Traumprinz Thabo. Beide junge Märchenhelden eint ihr Interesse an Naturwissenschaften - und die Kenntnis, dass Salz wichtiger ist als alles Gold der Welt. Weil die Menschen ohne Salz in der Nahrung verkümmern und somit das Land verfiele.

Die Besetzung mit dem dunkelhäutigen Clausen als Prinzen aus Afrika und zukünftigen König in Amelies Reich ist dabei genauso ein Zugeständnis an unsere Zeit wie der oft emanzipiert forsche Auftritt des Mädchens und manch schnodderiger Tonfall: Stets bemühen sich die TV-Macher, die (Volks-)Kunst von einst für ein Publikum von Heute aufzubereiten.

So sind denn selbstbewusste und mutige Heldinnen, die der Stimme ihres Herzens folgen, auch in den drei weiteren neuen Märchenfilmen zu finden. Erfahrene Darsteller wie Miroslaw Nemec, Günther Maria Halmer, Mariella Ahrens, Anatole Taubman und Götz Otto begleiten dann die Jugend auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben - und ins Glück.