Berlin (dpa) - Die Grundidee ist weder neu noch besonders aufregend: ein Film über Beziehungen. Geschlechterrollen, Ideale, neue Beziehungsmodelle - das sind die Dinge, die die Protagonisten mittleren Alters des Films bewegen.

Im Verlauf von 90 Minuten stellen Anke Engelke, Matthias Matschke und ihre Kollegen die Liebe auf den Prüfstand - doch leider gelingt es ihnen nicht, damit den Zuschauer von "Südstadt" wirklich zu fesseln.

Anne (Anke Engelke) und Martin (Matthias Matschke) sind seit 20 Jahren verheiratet und wohnen in der Kölner Südstadt. Sie betrügt ihn, er belügt sie und ist schon seit Monaten arbeitslos. Kai (Alexander Hörbe) und Saskia (Bettina Lamprecht), beide berufstätig, müssen dagegen die richtige Work-Life-Balance finden. Dabei will keiner der beiden Abstriche bei der eigenen Karriere akzeptieren. Das ZDF zeigt das TV-Drama am Montag (26. Februar) um 20.15 Uhr.

Insgesamt wohnen drei befreundete Paare in der Südstadt in einem Haus. Was anfangs als große Freundesfamilie beginnt, fragmentiert sich schnell in die einzelnen Paare und deren Probleme. Und doch verleiht das Haus dem Film eine besondere Komponente, ist es doch jener Ort, an dem die Protagonisten immer wieder aufeinander treffen und das Gespräch miteinander suchen.

In "Südstadt" nimmt das Thema Arbeit eine prominente Rolle ein. Die unterschiedlichen Bewertungen zur richtigen Einteilung von Job und Beziehung ist immer wieder Auslöser für Streitigkeiten. Oder wie Martins Vater Eberhard (Manfred Zapatka) es zusammenfasst: "Man verliert ja nicht nur die Arbeit, sondern alles, was Arbeit bedeutet: Status, Identität, Selbstwertgefühl." Am Beispiel von Martin und Anne wird deutlich, welche Folgen berufliche Rückschläge haben können.

Apropos Martin und Anne: Wie schwer es für deutsche Comedians ist, als ernsthafte Schauspieler wahrgenommen zu werden, zeigt sich an Engelke und Matschke: Bereits in der Comedyserie "Ladykracher" waren sie als Ehepaar zu sehen. Vielleicht liegt es genau daran, dass die Erwartungen an flache Witze den Film überdauern, obwohl sich beide offensichtlich sehr um viel Gefühl bemühen. Matschke war es nach eigener Aussage selbst, der Engelke bei Geschonneck als seine Filmfrau vorgeschlagen hatte. Andere Länder wie Frankreich ("Gott des Gemetzels") haben dieses Problem schon besser gelöst.

Zugute halten muss man "Südstadt", dass der Film nicht wie der typische Hollywood-Streifen mit einem Happy End abschließt. Stattdessen lässt Geschonneck den Film realistisch und unspektakulär enden - so wie oft im Leben. Auch der Film bleibt im Verlauf unaufgeregt. Oder wie Eberhard sagt: "Nach 20 Jahren braucht man keine Gründe, sich zu trennen, die hat man sowieso. Nach 20 Jahren braucht man Gründe zusammenzubleiben."

Diese Ruhe im Film ist wohl auch der Grund, warum die drei Lebensgeschichten keinen Zuschauer überraschen werden. Der Regisseur Matti Geschnoneck bezeichnet "Südstadt" als "Gegenwartsfilm": "Wie komme ich mit meinem Leben klar? Was wird aus meinen Träumen? Alle Protagonisten erleben existenzielle Veränderungen", sagte er in einem Interview. Gerade wegen dieser Allgegenwärtigkeit würden Beziehungsprobleme Stoff für immer neue, spannende Geschichten bilden - spannend ist "Südstadt" allerdings nicht durchgehend.

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