Luzern (dpa) - Der eine strotzt vor Geld dank smarter Firmenübernahmen, der andere verliert dadurch seinen kärglichen Job. Die eine glaubt, mit Geld ist alles zu haben, die andere setzt auf Prinzipien wie Gerechtigkeit.

Der Schweizer "Tatort" mit dem Titel "Friss oder stirb" verwebt diese Konflikte am Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten zu einem spannenden Drama mit viel Action.

Eine Wirtschaftsprofessorin wird erstochen in ihrer Wohnung gefunden. Lackspuren an einem Auto vor der Tür führen zu dem Unternehmer Anton Seematter (Roland Koch). Dessen Tochter Leonie (Cecilia Steiner) war eine Studentin der Professorin. Unternehmer Seematter steht zur gleichen Zeit im Visier des deutschen Arbeiters Mike Liebknecht (Mišel Maticevic), der wegen einer Firmenübernahme durch Seematters Swisscoal seinen Arbeitsplatz verloren hat.

Liebknecht dringt verzweifelt in Seematters Villa in Luzern ein, nimmt dessen Tochter und Ehefrau Sofia (Katharina von Bock) als Geiseln und wartet auf Seematter, um Geld zu verlangen. Er gibt sich bescheiden: Er will rund eine halbe Million - genau die Summe, die er in den 20 Jahren bis zur Rente noch verdient hätte.

Seematter kommt heim, und obwohl seine emotionslose Frau und seine aufmüpfige Tochter gefesselt sind, bleibt der Unternehmer cool. Erst rechnet er dem Arbeiter vor, dass er bei seiner Berechnung die Inflation vergessen hat, dann fängt er an zu schachern: "100.000 Euro - take it or leave it", sagt er und will mit dem Erpresser mit einem selbst gemachten Gesundheitstrunk darauf anstoßen. Liebknecht schlägt ihm das Glas aus der Hand.

In dem Moment klingeln die Kommissare Liz Ritschard (Delia Mayer)
und Reto Flückiger (Stefan Gubser) an der Tür, um der Lackspur aus den Mordermittlungen nachzugehen. Der Geiselnehmer lockt sie ins Haus und fesselt sie. Und findet plötzlich Interesse an den Ermittlungen.

Im zunehmenden Chaos verwischen die Grenzen zwischen den Welten der Privilegierten, den auf der Strecke gebliebenen und den Kämpfern für Gerechtigkeit mit ihren jeweiligen Moralvorstellungen. Unternehmer und Globalisierungsopfer trachten sich erst mit Schusswaffen nach dem Leben, schlagen sich dann mit den Fäusten blutig und verbrüdern sich schließlich beim Bier. "Ich bin übrigens Mike".

Die ersten Worte, die die emotionslose Mutter nach Stunden an ihre ebenfalls gefesselte Tochter richtet: "Halt's Maul jetzt!" Sie will nun mit ihrem wohl öfter untreuen Mann abrechnen. Die verzogene Tochter stört sich am Neid derjenigen, die weniger haben: "Es kann ja nicht jeder mit Privilegien geboren werden, sonst wären es ja keine mehr." Der Geiselnehmer, geschieden und von Vaterliebe für seinen Sohn verzehrt, bricht plötzlich eine Lanze für die arrogante Unternehmertochter.

Am Ende gibt es nur Verlierer, darunter drei Tote und mehrere Täter. Auch Kommissar Flückiger kommt nicht heil davon: In einem Wutausbruch schießt der Geiselnehmer ihm ins Bein. Der Kommissar ist auch symbolisch angeschlagen: das Schweizer Fernsehen hat beschlossen, ihn und Ritschard, die seit langem nur mäßige Zuschauerquoten einbrachten, abzulösen.

Den jüngsten Luzerner "Tatort"-Krimi "Die Musik stirbt zuletzt" sahen im Sommer in Deutschland so wenige Zuschauer wie nie zuvor: weniger als fünf Millionen. Die ARD nannte das angesichts der Sommerhitze zwar ein respektables Ergebnis. Aber erfolgreiche "Tatort"-Fälle kommen teils auf mehr als zehn Millionen Zuschauer.

Nach diesem "Tatort" treten Flückiger und Ritschard im nächsten Jahr noch zweimal an, danach wird mit neuem "Tatort"-Team in Zürich ermittelt. Die Dreharbeiten beginnen dort nach Angaben des Schweizer Fernsehen SRF Ende 2019. Wer dort auf Verbrecherjagd geht, wird nach Angaben von SRF frühestens im Februar feststehen.

Tatort: Friss oder stirb