Magdeburg (dpa/sj) l Stürme, Dürren und Schädlinge haben vor allem in den vergangen drei Jahren weite Schneisen in die Wälder Sachsen-Anhalts geschlagen. Um die rund 50 000 Waldbesitzer im Land beim Abtransport der toten Bäume und beim Anpflanzen neuer zu unterstützen, hat das Land seine Hilfen massiv ausgebaut. Im vorigen Jahr zahlte das Umweltministerium nach eigenen Angaben 15,4 Millionen Euro aus, neben Mitteln des Landes waren das auch Fördergeld von Bund und EU. „So viel haben wir im Bereich der Forstförderung noch nie ausgezahlt“, sagte Umwelt- und Agrarministerin Claudia Dalbert (Grüne). „Das waren insgesamt mehr Mittel als die Summe der Förderung in den vergangenen vier Jahren.“

Grund zur Freude sieht die Ministerin in dem Rekord aber nur bedingt: „Der große Bedarf an finanzieller Unterstützung zeigt gleichzeitig, wie hart die Klimakrise unsere Wälder schon getroffen hat“, sagte Dalbert. „Die Auswirkungen der Stürme, der Dürre und nachfolgend der massive Befall mit Schadinsekten in unseren Wäldern ist dramatisch.“ Es sei daher wichtig, die privaten Waldbesitzer zu unterstützen, etwa um die Tausenden abgestorbenen Bäume aus den Wäldern zu bekommen und die kahlen Stellen mit neuen Bäumen zu bepflanzen.

Die privaten Waldbesitzer hatten lange mehr Hilfen gefordert und zeigten sich nach dem Förderrekord dankbar. „Die Hilfen waren sehr dringend und sehr hilfreich“, sagte der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes in Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm. „Da müssen wir einen klaren Dank ans Land richten“, sagte Salm-Salm, der nach eigenen Angaben rund 1500 private Waldbesitzer vertritt.

Sorgen macht sich Salm-Salm über die Hilfen in diesem Jahr. Nach der Landtagswahl im Sommer rechnet er mit einer Haushaltssperre. Die würde auch die Fördergelder betreffen, befürchtet der Waldbesitzer. Die Hilfen müssten deshalb nicht aus Landesmitteln, sondern aus EU-Töpfen gezahlt werden, die von einer Haushaltssperre unberührt bleiben würden, fordert Salm-Salm.

Nässe und Kälte mag der Borkenkäfer

Das derzeitige Winterwetter hingegen stimmt ihn optimistisch. „Nass und kalt mag der Borkenkäfer überhaupt nicht – also von uns aus gern mehr davon“. Vor allem 2018 hatten Stürme und Dürre den Wäldern arg zugesetzt – die Bäume, die das Extremwetter überlebten, wurden durch den Stress anfälliger für Schädlinge. Auch nach den recht durchschnittlichen Niederschlägen des vorigen Jahres hätten die Förster deshalb noch viel mit den Folgen zutun.

„Die Kiefer geht noch überall kaputt, die Eiche geht noch überall kaputt, die Buche auch“, sagte Salm-Salm. Vor allem der niedrige Grundwasserspiegel, der sich noch immer nicht von der Dürre erholt habe, mache den Bäumen zu schaffen. „Wenn Sie einen Kuchen zu lange backen, zieht er sich zusammen und bekommt Risse – dasselbe passiert mit dem Boden bei Dürre“, erklärt Salm-Salm. Mit der Erde würden auch die darin verwachsenen Feinwurzeln reißen. Dadurch hätten viele Bäume einen Teil ihres Wurzelwerkes unwiederbringlich verloren. Das wiederum mache sie anfälliger für Krankheiten.

Ein Grund für die verheerenden Schäden war die geringe Durchmischung der Baumarten. So boten etwa die Fichtenmonokulturen im Harz dem Borkenkäfer optimale Bedingungen, die Fichte braucht außerdem viel Wasser. Beim Wiederaufforsten sollen die Waldbesitzer deshalb auf eine gute Mischung von Baumarten achten, die auch mit trockenem und warmen Klima zurecht kommen. „Ich bin überzeugt, nur standortgerechte Mischwälder haben eine Chance, die Klimakrise zu überstehen“, sagte Dalbert. „Wir fördern die Aufforstung und den Waldumbau, wenn mindestens 30 Prozent Laubholzanteil dabei sind.“