Kassel (dpa/tmn) - Sie sind am Anfang gratis und fixen Kinder damit an: sogenannte Free-to-Play-Spiele für das Smartphone oder Tablet. Haben die Nutzer dann erstmal Zeit investiert und Spaß am Spiel gefunden, gibt es echten Fortschritt nur noch gegen echtes Geld.

Nicht jeder Jugendliche kann sich diesem Mechanismus widersetzen, erklärt Suchberater Christian Tuhacek von der Fachberatungsstelle für exzessiven Medienkonsum "Real Life" in Kassel.

"Der Spieler wird zunächst angefixt und mit Belohnungen zugeschüttet", sagt Tuhacek. Dann gehe es langsamer voran, und dem Nutzer würden Vorteile gegen Geld angeboten. Bei einigen Spielen gehe es darum, in kurzer Zeit viel Geld herauszupressen. Allerdings entwickele nur ein Bruchteil der Nutzer eine echte Abhängigkeit.

Eltern sollten bei hohen Rechnungen durch Handyspiele ihrer Kinder zunächst weitere Abbuchungen verhindern, statt das Handy wegzunehmen. "Das nimmt die Eskalation heraus", sagt Tuhacek. Mit dem Entzug des Handys schneide man einen jungen Menschen oft vom sozialen Leben ab.

Sogenannte In-App-Käufe haben sich zur wichtigsten Einnahmequelle bei Handyprogrammen entwickelt. Laut dem Branchenverband Bitkom wurden auf dem Deutschen-App-Markt im vergangenen Jahr so 1,2 Milliarden von insgesamt 1,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Bitkom Mitteilung App-Markt 2017