Bremen (dpa) - Eher widerwillig zeigten die Profis von Werder Bremen einen großen Banner mit frohen Weihnachtswünschen an die eigenen Anhänger.

Nach dem 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln ist rund ums Weserstadion von Festtagsstimmung jedoch überhaupt keine Spur. Von den sonst so treuen Fans gab es vereinzelte Pfiffe. In den Spielen im DFB-Pokal am Dienstag in Mönchengladbach oder in der Liga in Frankfurt ist ein Sieg Pflicht, sonst droht dem Abstiegskandidaten eine handfeste Krise inklusive einer Trainer-Diskussion.

Die wird es bei uns nicht geben, kündigte Geschäftsführer Thomas Eichin schon einmal vorsichtshalber an. Denn beim Fußball-Bundesligisten mangelt es derzeit an vielem, vor allem an Selbstvertrauen. In Gladbach müssen wir so lange wie möglich keinen Treffer kassieren, sagte Werder-Coach Viktor Skripnik. Zuversicht hört sich anders an.

Selbst der Traumstart der Hanseaten mit dem Treffer des dänischen Innenverteidigers Jannik Vestergaard aus der vierten Minute brachte keine Ruhe ins Bremer Spiel. Von Minute zu Minute hat man bemerkt, dass die Spieler Angst hatten, den entscheidenden Fehler zu machen, sagte Werder-Trainer Viktor Skripnik. Aber was soll ich machen? Soll ich auf den Platz laufen und mitspielen?

Viel zu einfach hatte sich Werder das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen. Vor allem der verschossene Foulelfmeter des ehemaligen Kölners Anthony Ujah in der 37. Minute sorgte für die Wende gegen die bis dahin völlig enttäuschenden Gäste. Das war der Knackpunkt, sagte Skripnik.

Zuvor zeigte Schiedsrichter Guido Winkmann nach einem leichten Halten von Dominique Heintz an Ujah auf den Punkt. Der Gefoulte schoss selbst und scheiterte an FC-Keeper Timo Horn. Ich fühle mich schlecht, sagte ein geknickter Ujah. Es ist schwer für mich, ich nehme solche Aktionen persönlich. Aber so ist Fußball.

Gar nicht einverstanden mit dem Elfmeterpfiff war FC-Manager Jörg Schmadtke. Der frühere Bundesliga-Torhüter bezeichnete Winkmann als Eierkopp und wurde auf die Tribüne verwiesen. Nach seiner Einschätzung habe ich ihn beleidigt. Wo ich herkomme, ist das keine Beleidigung, teilte Schmadtke mit.

Für seine Mannschaft war der Fehlschuss des früheren Mitspielers die Initialzündung. Nach dem gehaltenen Elfmeter war unsere Körpersprache besser. In der zweiten Halbzeit haben wir das Gesicht gezeigt, das wir brauchen, um uns in der Liga zu etablieren, erläuterte Kölns Trainer Peter Stöger.

Dennoch dauerte es bis zur 79. Minute, ehe Dusan Svento mit seinem ersten Bundesliga-Treffer die Torlos-Serie beendete. Der Slowake markierte im Nachsetzen das erste Kölner Erfolgserlebnis seit 367 Minuten. Während Stürmer Anthony Modeste wieder enttäuschte und bereits zur Pause ausgewechselt wurde, konnte der Torschütze Pluspunkte sammeln. Er hat seine Chance genutzt, lobte Coach Stöger den Offensivspieler.

Mit dem Punkt für die Moral, wie Schmadtke das Unentschieden von Bremen bezeichnete, empfangen die Rheinländer am kommenden Samstag zum Jahresausklang den Tabellenzweiten Borussia Dortmund. Gerade deswegen war das 1:1 noch sehr wichtig, erklärte Keeper Horn.