Berlin (dpa) - Diesen bitteren Rückschlag nehmen die BVB-Stars um Mats Hummels und Marco Reus mit unter den Tannenbaum und ins neue Jahr.

Denn nicht nur die zwei Aussetzer vor den Standardtreffern des mutigen 1. FC Union Berlin zeigten den Verantwortlichen von Borussia Dortmund deutlich: Nur mit dem Drehen an ein paar Stellschrauben sind nach der Beurlaubung von Cheftrainer und Fußball-Tüftler Lucien Favre die Defizite nicht zu beseitigen. "Wir dürfen es dem Gegner nicht so leicht machen", sagte Hummels und ergänzte: "Nur mit ein paar Trainingseinheiten kann man das alles nicht rauskriegen."

Zwar sprach der Ex-Weltmeister von einem anderen "Spirit auf dem Platz" unter Favre-Nachfolger Edin Terzic. Und Torhüter Roman Bürki stellte fest: "Die ganze Stimmung ist anders. Es ist enorm viel Stimmung drin, auch in der Kabine, das ist etwas Neues." Doch Hummels vermisste in den entscheidenden Situationen im fanleeren Stadion An der Alten Försterei den unbedingten Willen zum Sieg. Und der Schweizer Keeper betonte: "Einige Spieler brauchen das, dass ihnen jemand Feuer unter dem Hintern macht in manchen Situationen." Das muss jetzt auch eine "Autoritätsperson" (Bürki) wie Terzic richten.

Vor allem der Ärger über die Art und Weise der 1:2-Pleite bei den Eisernen war groß. Mehrmals und ausführlich hatte der neue Chefcoach vor der besonderen Stärke des 1. FC Union gewarnt - und dann kassierten die Borussen genau so zwei Gegentreffer: Ecke, Kopfball, Tor. "Sie kommen mit Wucht und haben da ihre Qualität. Wir haben es am Morgen nochmal versucht, es allen in allen Kanälen einzuimpfen", berichtete Terzic. Sogar der 2:1-Siegtorschütze Marvin Friedrich wunderte sich: "Bei dem Eckball war ich erstaunlich frei."

Nur ganz schnell weg, die erste Niederlage seit sechs Auswärtspflichtspielen schlug allen Dortmundern sicht- und hörbar aufs Gemüt. "Da steht der stärkste Kopfballspieler des Gegners völlig frei, das ist unverzeihbar. Wir hauen uns selber in die Pfanne", wetterte Hummels. Erst köpfte Unions Liverpool-Leihgabe Taiwo Awoniyi (57.) nach Eckball von Kapitän Christopher Trimmel ein. Dann war Verteidiger Friedrich (78.) mit seinem vierten Saisontor erfolgreich.

Favre-Nachfolger Terzic machte aber auch andere Defizite bei seinem Team aus. "Durch die Standards verlieren wir das Spiel. Aber es war natürlich bei vielen anderen Dingen nicht gut. Wir haben viele Sachen nicht umgesetzt." Dem Spiel der Gäste fehlten Tempo am Ball und in der eigenen Bewegung, Präzision und Mut.

Am ehesten zeigte diese Tugenden noch der Youngster Youssoufa Moukoko, der jetzt mit 16 Jahren und 28 Tagen jüngster Torschütze der Bundesliga-Geschichte ist. "Er hat viele Sachen gut gemacht. Es war klar sein bestes Spiel bei uns", erklärte Hummels zu seinem jungen Kollegen. Doch Moukokos zwischenzeitlicher Ausgleich (60.) war am Ende nur Randgeschehen. Mit nur 22 Punkten sieht Dortmund das Spitzentrio Leverkusen, Bayern und Leipzig weiter davonrauschen.

Ein Heilsbringer kann Supertalent Moukoko ohnehin nicht sein, wie Terzic klarmachte. Diese Rolle müssen schon die etablierten Kräfte Reus, Hummels und Emre Can oder der erfahrenere Jungstar Jadon Sancho übernehmen. "Wir müssen daran arbeiten, dass er noch häufiger in solche Situationen kommt", sagte der Trainer zu Moukokos Abschlussstärke. "Er hat so viele gute Dinge gezeigt, aber es ist noch immer so viel Luft nach oben. Wir werden versuchen, ihn so nah wie möglich ans Limit zu schieben."

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