Amsterdam (dpa) - In Südkorea kann Heung-Min Son nicht in Ruhe durch die Straßen gehen. Der Fußball-Profi, der Tottenham Hotspur bei Ajax Amsterdam doch noch in das Finale der Champions League führen soll, ist in seiner Heimat ein Superstar, den sofort alle umlagern und vereinnahmen.

Auch bei weiblichen Fans ist der 26-Jährige äußerst beliebt. Groupies können sich aber jedwede Form der Annäherung sparen. Denn solange er Fußball spielt, wird Heung-Min Son nicht heiraten. Schließlich hat Papa das gesagt.

"Und er hat recht", sagte Son junior in einem Interview des "Guardian": "Wenn du heiratest, sind die Familie, die Frau und die Kinder die Nummer eins. Und dann kommt erst der Fußball. Ich will sicherstellen, dass der Fußball die Nummer eins ist, solange ich auf dem höchsten Level spielen kann." Wenn man 33 oder 34 ist, sagt Son, "kannst du immer noch ein langes Leben mit deiner Familie haben".

Dass das Wort seines Vaters Woong-jung Son, der selbst Profi war, Gewicht hat, hat dem Junior in seiner Karriere schon einige Male Ärger eingebracht. "Aber ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin." Und das ist sehr weit oben. Als der Hamburger SV Son 2013 nach Leverkusen verkaufte, hielten die zehn Millionen Ablöse viele für ein gutes Geschäft. Als er Bayer zwei Jahre später für 30 Millionen in Richtung Tottenham verließ und Leverkusen dafür Kevin Kampl und Chicharito verpflichtete, bezeichnete Sportchef Rudi Völler das als "einen Traum". Heute gilt Son als wertvollster Spieler Asiens.

Sein Abschied aus Leverkusen war so eine Episode, in der sich Son auf Anraten des Vaters unbeliebt machte. Rund um die Champions-League-Playoffs gegen Lazio Rom drängte er auf die Freigabe. Und Bayers Ex-Manager Reiner Calmund schimpfte: "Wer sich mit 23 Jahren so von seinem Papa leiten lässt und vor dem wichtigsten Spiel des Jahres um freie Tage bittet, hat den Schuss nicht gehört." Doch so landete Son in der Premier League, seinem Traumziel.

Er hat gelernt, auf den Vater zu hören. So ging er als 16-Jähriger nach Europa, ins Internat des HSV, obwohl er von diesem Verein nach eigener Auskunft "noch nie was gehört hat". Als das Magazin "Rund" ihn besuchte, scherzte er, seine Eltern seien ganz froh über seinen Abschied gewesen, "weil ich so viel esse, und sie jetzt das Geld sparen".

Als Heung-Min zehn Jahre alt war, wurde der Vater Trainer seiner Schulmannschaft. Er ließ alle Spieler den Ball jonglieren, 40 Minuten durfte er nicht runterfallen. "Wenn jemand anderem der Ball runtergefallen ist, hat mein Vater nichts gesagt. Wenn er mir runtergefallen ist, mussten wir alle von vorne beginnen", erzählte Son junior später. Und kam auch hier zum Schluss: "Das war hart. Aber wenn ich darüber nachdenke, war es der richtige Weg."

Heute ist Son eben ein Superstar. Und am Mittwoch die große Hoffnung Tottenhams. Gegen Manchester City in der Runde zuvor war er mit drei Treffern der Held, beim 0:1 im Hinspiel gegen Amsterdam fehlte er gesperrt und wurde schmerzlich vermisst. Und er wird nicht nur für seinen Verein spielen, sondern für alle Koreaner.

Natürlich fühle er sich als Botschafter, sagte Son, der auch als Star immer freundlich und bescheiden geblieben ist. "Viele Leute in Korea stehen um fünf Uhr morgens auf, um uns spielen zu sehen. Denen will ich etwas zurückgeben." Der Papa wird sicher zustimmen.

Interview bei theguardian.com