Berlin (dpa) - Bester Laune kam Jürgen Klinsmann im schwarz-blauen Trainingsanzug aus der Kabine. Auch am Sonntagmorgen war dem früheren Bundestrainer die Erleichterung über seinen ersten Sieg als Coach von Hertha BSC noch deutlich anzumerken.

"Es war für das Selbstbewusstsein und ein bisschen Ruhe enorm wichtig, dass es drei Punkte werden - egal wie", sagte Klinsmann einen Tag nach dem hart erkämpften 1:0-Erfolg über den SC Freiburg. "Dass noch viel Luft nach oben ist, wissen wir. Von der Grundtendenz ist es aber positiv."

Nach quälenden zehn Wochen und sieben sieglosen Partien feierten die Berliner wieder ihren ersten Bundesligaerfolg und dürfen nun auf etwas vorweihnachtliche Aufbruchstimmung im Abstiegskampf hoffen. "Wir sind jetzt gut gerüstet. Das Feuer ist da bei den Spielern", betonte Klinsmann mit dem gewohnten Optimismus.

Zunächst haben sich die Berliner nun etwas Luft vor der Abstiegszone verschafft, die nächsten Aufgaben werden aber nicht leichter. Vor der verkürzten Weihnachtspause geht es noch zu Bayer Leverkusen und gegen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. "Wir haben den unbedingten Willen, in Leverkusen zu punkten. Wir werden da mit breiter Brust hingehen", sagte Klinsmann.

Zum Rückrundenstart ist der FC Bayern zum brisanten Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Trainer im Olympiastadion zu Gast. "Der Druck wird nicht weniger, und es wird nicht einfacher", warnte Kapitän Vedad Ibisevic und zeigte sich ebenfalls befreit. "Wir Spieler sind auch Menschen, wir leiden auch darunter. Manchmal sieht es so aus, als ob es uns scheißegal ist - aber das ist es nicht. Wir haben so einen dreckigen Sieg gebraucht."

Nach einer mäßigen ersten Halbzeit gegen zaghafte Freiburger drohte die Stimmung schon endgültig zu kippen, mit lauten Pfiffen quittierten die Fans den defensiven Auftritt ihrer Mannschaft. Viele Querpässe und wenig Kreativität prägten den Auftritt der Berliner.

Der Klinsmann-Effekt schien schon endgültig dahin - mit einem Flatterschuss bescherte Vladimir Darida (53. Minute) seinem Trainer aber doch noch den ersten Sieg im dritten Spiel. "Ich hoffe, das gibt uns Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele", sagte der Torschütze, der in seinem 100. Ligaeinsatz für Hertha gegen seinen früheren Verein traf. "Die letzten zwei Spiele müssen wir irgendwo Punkte mitnehmen, dann haben wir Zeit, etwas zusammen zu lernen."

Diese gemeinsame Zeit in der Winterpause hat Klinsmann noch verlängert. Statt wie ursprünglich geplant am 2. Januar beginnt Hertha bereits wieder am 29. Dezember mit dem Training. Eine von ihm angedachte mögliche Absage des Trainingslagers in Florida zugunsten einer kürzeren Anreise zum Beispiel nach Spanien ist allerdings vom Tisch. "Es ist verkürzt, findet aber statt, weil das Commitment vom Club schon gegeben wurde", berichtete Klinsmann. "Da haben wir gesagt: kein Problem."

Die Spieler betrachten den verkürzten Urlaub mit zwiespältigen Gefühlen, reagierten aber mit Verständnis. "Ich bin zu lange dabei. Ich weiß, dass das eine mit dem anderen zusammengeht: Wenn man schlecht spielt, kommen solche Sachen", sagte Ibisevic. "Ich habe nicht viel umbuchen müssen. Nur werde ich alleine nach Hause kommen, die anderen werden weiter ihren Urlaub genießen. Es ist hart, weil alles gebucht war, aber solche Sachen habe ich schon oft erlebt."

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