London (dpa) - Die mitgereisten Man-United-Fans sangen lautstark seinen Namen, und am Ende durfte sich der viel kritisierte José Mourinho auch ohne Sieg sogar als moralischer Sieger fühlen. Trotz des bitteren 2:2 (0:1) beim FC Chelsea war der Portugiese obenauf.

Dabei hatte den United-Trainer nicht nur Ross Barkleys Ausgleichstor in der 96. Minute Nerven gekostet, sondern auch Chelseas Assistenzcoach Marco Ianni, der provozierend vor Mourinhos Gesicht gejubelt hatte. "Ich mache auch Fehler bei Fußballspielen, und ich werde noch weitere machen", gab sich der Mourinho später gönnerhaft. Die Blues-Boss knirschten vermutlich mit den Zähnen.

Zunächst hatte der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger (21. Minute) die Blues per Kopf in Führung geschossen. Dann drehte Anthony Martial (55./73.) die Partie mit einem Doppelpack für Man United und ließ Mourinho an seiner alten Wirkungsstätte von einem besonders süßen Erfolg träumen. Dreimal war er mit Chelsea Meister geworden, woran er die Blues-Fans nach dem Abpfiff auch mit deutlichen Gesten erinnerte, denn sein Verhältnis zum Ex-Club ist angespannt.

Nach Barkleys Treffer blieb Mourinho zunächst regungslos, erst Iannis Provokation ließ ihn wutentbrannt aufspringen. Es dauerte ein paar Minuten, bevor sich die tumultartigen Szenen vor dem Spielertunnel gelegt hatten. "Das ist kein Jubel, das ist schlechte Erziehung", fand der United-Coach. Chelseas Cheftrainer Maurizio Sarri gab ihm recht. "Der Fehler lag bei uns", räumte der Italiener ein. Angeblich droht Ianni nun sogar eine vereinsinterne Strafe, wie britische Medien spekulieren. Mourinho berichtete unterdessen genüsslich, der Assistenztrainer habe sich bei ihm entschuldigt. "Alles ist gut."

Mit der Leistung seines Teams war der Portugiese zufrieden. "Wir hätten gewinnen müssen", fand er. "Manchester United und José Mourinho haben in der explosiven zweiten Halbzeit endlich die Leidenschaft gezeigt, die in dieser Saison so oft gefehlt hat", fand BBC Sport. "Man ist geneigt, einen Wendepunkt zu sehen", schrieb die Zeitung "Guardian", "aber niemand weiß, wie gut dieses United-Team wirklich ist."

Rund 300 Kilometer nördlich von London entschied Jürgen Klopp das deutsche Trainerduell gegen seinen Kumpel David Wagner erneut für sich. Sein FC Liverpool siegte bei Huddersfield Town dank Mohamed Salah mit 1:0 (1:0) und verbesserte sich auf Platz zwei hinter dem punktgleichen Tabellenführer und Titelverteidiger Manchester City.

"Das ist vielleicht der erste Abschnitt in meinem Leben, in dem wir auch durchschnittliche Spiele gewinnen", freute sich Klopp. Auf der anderen Seite haderte Wagner mit dem Schicksal. "Wir haben einfach kein Glück", sagte er. Obwohl seine Terriers weiter auf den ersten Sieg warten, blieb er zuversichtlich: "Die Ergebnisse werden kommen."

Liverpools Arbeitssieg war umso wichtiger, weil Konkurrent Man City am Samstag geradezu meisterlich auftrat. Pep Guardiolas Mannschaft deklassierte den Europa-League-Teilnehmer FC Burnley mit 5:0 (1:0). Besonders bitter war das für den früheren Man-City-Keeper Joe Hart im Burney-Tor. Vor dem Spiel war er von seinem Ex-Club geehrt und von den City-Fans mit stehenden Ovationen begrüßt worden. Dann ruinierten Sergio Agüero (17. Minute), Bernardo Silva (54.), Fernandinho (56.), Riyad Mahrez (83.) und Leroy Sané (90.) Harts Nachmittag.