London (dpa) – Fußball-Nationalverteidiger Antonio Rüdiger hat sich für Spielabbrüche nach rassistischen Vorfällen ausgesprochen.

"Das Spiel zu stoppen, halte ich für sinnvoll. Würde ich rassistische Beleidigungen von der Tribüne mitbekommen, bin ich der Erste, der rausgeht", sagte Rüdiger der "Bild am Sonntag", "ich habe gesehen, was bisher gegen solche Vorfälle unternommen worden ist – und zwar ziemlich wenig."

Dagegen findet der Abwehrchef des FC Chelsea den Vorschlag von Raheem Sterling von Manchester City, bei rassistischen Vorfällen den betroffenen Verein mit einem Abzug von neun Punkten zu bestrafen, für zu hart. "Am Ende bestraft man die Mannschaft – und damit die Falschen." Allerdings kann der 26-Jährige die Forderung des englischen Nationalstürmers nachvollziehen: "Es würde einige Klubs aufwecken. Ich persönlich bin aber gegen einen Punkteabzug."

Umso zielführender hält Rüdiger die Kampagne in der Premier League: "Alle Zuschauer im Stadion werden offensiv dazu aufgefordert, Zwischenfälle sofort bei den Ordnern zu melden. Das halte ich für einen sehr sinnvollen und möglicherweise wirkungsvollen Weg." Damit könnten auch Vorfälle wie beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien im März in Wolfsburg vermieden werden, als Leroy Sané rassistisch beleidigt wurde. "Wenn ich da sitze und so etwas zulasse, ist das auch eine Form, Rassismus zu akzeptieren. Zu sagen: Ich habe nichts gesehen und nichts gehört, ist schwach."

Rüdiger verbucht die geschaffte EM-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft lediglich als Etappenerfolg. "Das ist mein Ziel. Ich möchte mit Deutschland Weltmeister werden", sagte er und sieh trotz der Probleme beim Neuaufbau der Nationalmannschaft gute Chancen für die EM 2020. "Unsere Generation hat bereits beim Confed-Cup gezeigt, was möglich ist. Wir haben damals als Mannschaft bewiesen, dass wir uns auch gegen Widerstände durchsetzen können. Wir haben perfekt funktioniert. Da müssen wir wieder hinkommen."

Der gebürtige Berliner will im kommenden Jahr nach seiner monatelangen Verletzungspause wieder in die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw zurückkehren. Zugleich bedauert Rüdiger den Ausfall seines Abwehrkollegen Niklas Süle, der aufgrund eines Kreuzbandrisses möglicherweise das Turnier verpassen wird. "Das ist natürlich sehr schade, zumal Niklas Süle und ich sehr gut harmonieren", sagt Rüdiger und blickt auch bei dem Thema weiter voraus: "Wir ergänzen uns sehr gut. Wir können ein Duo für die Zukunft werden."

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