Frankfurt/Main (dpa) - Die Kritik der Bundesligaclubs blieb eher moderat, die der Fans ist fundamental.

"Kurzfristige Coronahilfe, Zementierung der Unterschiede, Bonbons im Prozentbereich. Sieht so der Einstieg in Reformen aus?", schrieb die Faninteressenvertretung "Unsere Kurve" bei Twitter zur Verteilung der Fernsehgelder im Profifußball ab der Saison 2021/22. Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga hatte eine gleichmäßigere Verteilung beschlossen, aber keine radikalen Konsequenzen aus der Kritik vieler Clubs gezogen und mehr Gleichheit mit der Verteilung geschaffen.

"Wir können keine substanziellen Veränderungen erkennen. Es werden andere Worte für das gleiche System verwendet", legte Helen Breit, Vorsitzende von "Unsere Kurve", im ZDF-Interview. "Unser Vorschlag für einen integren Wettbewerb lag bei 75 Prozent gleichmäßig verteilter Mittel." Auch der Verein für Integrität im Profifußball, "FC PlayFair", sprach von einer verpassten Chance. Dagegen will die DFL in den nächsten zwei Spielzeiten nur 53 Prozent der Einnahmen aus der nationalen Vermarktung auf die 36 Proficlubs gleich verteilen, danach 50 Prozent.

Für Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist schon dieser DFL-Beschluss "für die Spitzenclubs ein schmerzhafter Kompromiss", sagte er laut einer Stellungnahme auf der BVB-Homepage. Dieser sei aber angesichts der Pandemie und "aus Solidaritätsgründen unumgänglich und daher auch richtig". Die überwiegende Zahl der Clubs aus Bundesliga sowie 2. Bundesliga habe sich "sehr kollegial und fair" gezeigt. Ein Seitenhieb auf fast die Hälfte der Vereine, die eine weitgehendere Reform gefordert hatten. Dem DFL-Präsidium attestierte Watzke: "Feuertaufe bestanden."

"Wenn man in diesem Zusammenhang den Begriff Solidarität verwendet, dann sollte man auch wissen, was das eigentlich heißt", konterte Holger Siegmund-Schultze, Präsident des Zweitligisten Karlsruher SC, in den "Badischen Neuesten Nachrichten". Die Artikulation, die er dazu wahrgenommen habe, sei Ausdruck von vermeintlicher Macht mit dem Ziel, eigene Interessen zu verfolgen. "Profifußball im Rahmen der DFL funktioniert immer nur mit 36 Vereinen - nicht mit 20, 25 oder 30."

Neben dem FSV Mainz 05, dem FC Augsburg, dem VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld hatten sich zehn Zweitligisten in einem Impulspapier für einen neuen TV-Verteilerschlüssel ausgesprochen.

"Die Entscheidung des DFL-Präsidiums zur Verteilung der Medienerlöse muss differenziert betrachtet werden", sagte Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand von Mainz 05. Sie gehe grundsätzlich in die richtige Richtung und beinhalte gute Aspekte, wie die stärkere Berücksichtigung der Nachwuchsarbeit oder des Interesses an den Clubs. So werde die Spreizung bei der Verteilung der Medienerlöse zwischen Topclubs und kleineren Vereinen reduziert. "Anderseits hätten wir uns ein stärkeres Signal der Solidarität und zugunsten eines fairen sportlichen Wettbewerbs gewünscht", so Lehmann.

Für nicht ausreichend hält auch Arminia Bielefeld den DFL-Entscheid. "Die neue Ausrichtung ist ein kleiner Schritt in eine dringend notwendige Veränderung", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek. Das Ergebnis stelle einen Konsens dar in einem System, in dem die verschiedenen Interessen einfach sehr weit auseinander lägen: "Das zentrale Anliegen wurde aus unserer Sicht jedoch nicht mutig genug angegangen."

Auch aus Sicht des Zweitligisten FC St. Pauli hätten es "gern noch weitere Veränderungen sein dürfen", sagte Präsident Oke Göttlich. Doch das sei keine Enttäuschung, "sondern die Folge einer sehr vernünftigen parlamentarischen, demokratischen Diskussion".

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