Berlin/Bremen (dpa/tmn) - Immobilieneigentümer sollten sich vor dem Ablauf der Zinsbindung für ihren Kredit frühzeitig nach einer Anschlussfinanzierung umsehen. Das gelte in Zeiten der Corona-Krise ganz besonders, schreibt die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 5/2020).

Die Pandemie habe bei den Zinsen für Immobilienkredite für überdurchschnittliche Schwankungen gesorgt. Derzeit könnten die Bedingungen für eine Immobilienfinanzierung jedoch kaum besser sein.

Während Hauseigentümer in den vergangenen Jahren noch Zinsen bis zu fünf Prozent auf ihr Darlehen zahlen mussten, bieten einige Banken derzeit Immobilienkredite für weniger als ein Prozent an. "Wenn die Zinsen niedrig sind, ist das natürlich eine gute Gelegenheit", betont auch der Verband Privater Bauherren (VPB).

"Keiner kann mit Sicherheit sagen, dass die Zinsen in Zukunft steigen werden", sagt Stefan Höhn, Projektleiter bei "Finanztest". Aber es biete sich beim aktuellen Zinsniveau einfach mehr Spielraum nach oben als nach unten. Auch Höhn empfiehlt daher Eigentümern sich die niedrigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung zu sichern.

Höhere Tilgung hilft beim Schuldenabbau

Bei niedrigen Zinsen tilgen Kreditnehmer am besten möglichst hoch. Die Schulden würden dadurch deutlich schneller schrumpfen. Wichtig ist nach Ansicht des VPB aber auch, in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Situation die persönliche Finanzlage im Blick zu behalten: "Die Corona-Krise wirbelt alles durcheinander. Jeder muss daher auch seine langfristige berufliche Situation abschätzen."

Wer mit schwankendem Einkommen rechnet, sollte sich daher Anpassungsmöglichkeiten bei der Tilgungsrate sichern, rät der VPB. Gleiches gilt für Sondertilgungen - gerade dann, wenn Erbschaften oder Boni in Aussicht stehen. Die Flexibilität bei der Anschlussfinanzierung lässt sich in den meisten Fällen mit einem Zinsaufschlag erkaufen.

Zinsaufschlag für Forward-Darlehen

Ebenso wichtig ist nach Ansicht des "Finanztest"-Experten Höhn eine langfristige Zinsbindung. Die ergebe angesichts der aktuell niedrigen Zinsen Sinn. Auch Wohneigentümer, deren Zinsbindung erst in mehreren Jahren ausläuft, können sich die günstigen Konditionen bereits heute sichern: Mit entsprechenden Forward-Darlehen können sich Kreditnehmer bis zu fünf Jahre im Voraus die jetzigen Zinsen reservieren. Auch diese Sicherheit lassen sich die Banken mit Zinsaufschlägen bezahlen. Dabei gilt: Je länger die Vorlaufzeit, desto höher der Aufschlag.

Viele Banken reservieren die aktuellen Zinsbedingungen bis zu zwölf Monate kostenlos. Entsprechend lohnt es sich, schon vor dem Ablauf der Zinsbindung einen genauen Blick auf die Konditionen zu werfen.

Darlehen, die vor mehr als zehn Jahren ausbezahlt wurden, können jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. War das dort vereinbarte Zinsniveau höher als aktuell, lohnt in der Regel der Umstieg in die Anschlussfinanzierung. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Kreditvertrag lohnt dagegen fast nie, da die Banken dann häufig eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Wechsel der Bank kann sich lohnen

Um die Restschuld zu begleichen, ist nicht selten ein Bankwechsel ratsam - wobei nach Ansicht der "Finanztest"-Experten viele Kunden die Hürden eines solchen Schritts überschätzen. Dabei fallen die Kosten im Verhältnis zur Darlehenssumme kaum ins Gewicht. In der Regel lohne sich daher der Umstieg, sobald eine Bank ein besseres Angebot macht.

"Kunden sollten nicht gleich das erstbeste Angebot ihrer Bank annehmen, sondern die Konditionen mehrerer Geldinstitute vergleichen", rät Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Viele Kunden würden erst über eine Anschlussfinanzierung nachdenken, wenn ihre Bank ihnen wenige Monate vor Ablauf der Zinsbindung ein Angebot macht - "das ist aber viel zu spät."

"Finanztest" zu Anschlusskrediten