Berlin (dpa/tmn) - Der Bitcoin sorgt derzeit bei vielen für Herzklopfen. Seit Wochen scheint der Kurs der Kryptowährung nur eine Richtung zu kennen - nach oben. Befeuert wurde diese Entwicklung unter anderem von Tesla-Chef Elon Musk. Er hatte angekündigt, mit seinem Unternehmen in den Bitcoin zu investieren und die Digitalwährung künftig als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Anleger, die Anfang des Jahres Bitcoin gekauft haben, können sich jetzt über ordentliche Gewinne freuen. Aber ist der Bitcoin wirklich eine gute Geldanlage? Kann man über Nacht damit reich werden? Oder wenigstens langfristig Vermögen aufbauen? Experten sind sich in diesen Fragen nicht wirklich einig.

Anlageklasse Ja oder Nein?

Schon bei der Frage, ob Bitcoin und Co. eine eigene Anlageklasse sind, wie etwa Aktien, Rohstoffe oder Immobilien, gehen die Meinungen auseinander. "Von einer eigenen, etablierten Anlageklasse würden wir bei Kryptowährungen noch nicht sprechen", sagt Nicolas Pilz von der Societas Vermögensverwaltung GmbH. "Dazu fehlt noch die staatliche Akzeptanz und eine gewisse Regulierung."

"Es ist durchaus eine spekulative Anlageklasse", findet hingegen Markus Richert von Portfolio Concept Vermögensmanagement. "Es gibt eigene Börsen, einen Handel und ich kann es in reale Währungen tauschen. Es fehlt jedoch der innere Wert." Und Stephan Witt von der Finum Private Finance AG sagt: Kryptowährungen sind eine eigene Assetklasse. "Selbst Banken und Wirtschaftsunternehmen nutzen und investieren mittlerweile in dieser Anlageklasse."

Breite Masse ist noch skeptisch

Privatanleger sind allerdings noch ziemlich skeptisch. Gerade einmal zwei Prozent der über 16-Jährigen in Deutschland haben bislang in Bitcoin oder andere Kryptowährungen investiert, zeigt eine Umfrage des IT-Verbandes Bitkom. Rund jeder Fünfte (18 Prozent) kann sich zumindest vorstellen, das in Zukunft zu tun. Der große Rest möchte aber auch weiterhin einen Bogen um Bitcoin und Co. machen.

"Kryptowährungen sind ein Spekulationsobjekt", sagt Prof. Hartmut Walz, Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Von einer Währung will Walz hier noch nicht sprechen. "Es ist eher ein Wertspeicher." Ähnlich wie beim Gold ist das Angebot begrenzt. Die hohe Nachfrage bestimmt daher den Preis.

Sind Kryptowährungen die neuen Rohstoffe?

Ist der Bitcoin also das neue Gold? Nein, findet Markus Richert, denn ein Bitcoin besitzt keinen inneren Wert. "Gold wird zumindest zu einem gewissen Anteil auch als Rohstoff in der Industrie genutzt." Dadurch lasse sich zumindest ein Sockelwert ableiten. "Ein Bitcoin ist eine reine Zahlenkombination ohne wirklichen Nutzen, jederzeit durch eine andere Kryptowährung zu ersetzen."

Marcel Uhlmann, Projektleiter für Kryptowährungen bei der V-Bank sieht das anders: "Gold wird seit Jahrhunderten als Wertspeicher verwendet, weil es sehr rar ist und nicht beliebig vermehrt werden kann. Diese Eigenschaften gelten genauso für Bitcoin." Anders als das Edelmetall könne der Bitcoin sogar beliebig geteilt und leicht versendet werden. "Bitcoin ist deshalb für viele das bessere "neue Gold". Ich persönlich kann hier nur zustimmen."

Bitcoin erhöht Volatilität im Depot

Prof. Monika Gehde-Trapp, Expertin für Risikomanagement an der Universität Hohenheim, hat versucht, sich dieser Frage wissenschaftlich zu nähern. Ihr Ansatz: Ist der Bitcoin in einem diversifizierten Portfolio so etwas wie ein sicherer Hafen - ähnlich wie Gold? Die ernüchternde Antwort: Nein, ist er nicht. Im Gegenteil.

In Modellrechnungen zeigte Prof. Gehde-Trapp mit ihrem Team, dass ein Investment in Bitcoin die Volatilität - also die Wertschwankung - im Depot sogar erhöht. Bei einem Bitcoin-Anteil von zehn Prozent im ansonsten reinen Dax-Portfolio stieg das Verlustmaß bereits um fünf Prozent. Bei einem Bitcoin-Anteil von 20 Prozent erhöhte es sich um weitere 15 Prozent. "Der jüngste Anstieg des Bitcoin hat an diesen Ergebnissen nicht viel geändert."

Investment bleibt eher Spekulation

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist der Bitcoin derzeit noch riskant, finden viele Anlageexperten. "Dafür sind einfach die Schwankungen zu groß", sagt Frank Wieser von PMP Vermögensmanagement. "In ein paar Jahren können digitale Währungen allerdings ein (kleiner) Teil der Vermögensbildung werden. Noch ist es dafür zu früh."

Aus Sicht von Prof. Hartmut Walz sollten Anleger vorsichtig bleiben. "Die "Lindy-Regel" ist eine wertvolle Orientierung für derartige Marktsituationen", sagt Walz. Kernaussage der Regel: Je länger Systeme und Organisationen bereits existieren, desto höher ist die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Im Vergleich zu Gold heißt das: Das Edelmetall existiert Tausende Jahre als Zahlungsmittel. Ob das bei Kryptowährungen auch so sein wird, ist ungewiss. "Es kann zum Beispiel jederzeit sein, dass hier die Regulierung zuschlägt."

Prof. Walz erinnert die derzeitige Situation um die Kryptowährungen an die Geschichten vom Goldrausch im 19. Jahrhundert. "Damals sind vor allem die reich geworden, die den Goldschürfern die Gummistiefel und die Schaufeln verkauft haben."

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Umfrage des IT-Verbandes Bitkom

Studie der Universtität Hohenheim