Magdeburg l In jüngster Zeit profitieren immer mehr Menschen auch in Sachsen-Anhalt von großen Fortschritten der Kardiologie und Herzchirurgie. Dennoch ist hierzulande das Risiko, an einem Herzleiden zu sterben, noch immer hoch. Das geht aus Statistiken hervor, die alljährlich von der Deutschen Herzstiftung in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften im „Deutschen Herzbericht“ veröffentlicht werden. Ein Grund dafür ist ein durchschnittlich höheres Lebensalter der Sachsen-Anhalter im Vergleich zur Bevölkerung in westlichen Bundesländern. Aber auch vermeidbare Risikofaktoren wie das Rauchen, Übergewicht durch ungesunde Ernährung und mangelnde körperliche Aktivitäten tragen ihren Teil zur Herzsterblichkeit bei. Wichtig sind deshalb weitere Verbesserungen bei der Prävention, sagen Mediziner wie Prof. Hendrik Schmidt, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Diabetologie an Klinikum Magdeburg.

Neben Übergewicht durch falsche Ernährung und Rauchen zählt Bewegungsmangel zu den Hauptursachen von bis einem Drittel der frühzeitigen Herzkranzerkrankungen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. In den entwickelten Industrieländern sterben daran jährlich etwa zwei Millionen Menschen.

Abnehmende Elastizität der Adern

Die Folgen körperlicher Inaktivität sind nicht nur Muskel- und Knochenabbau: Gefährlich sind auch entzündliche Ablagerungen und Verhärtungen der Blutgefäße. Letztere versorgen die körpereigenen Gewebe und Organe mit Energie und Nährstoffen. Versorgungsprobleme zeigen sich oftmals bei Durchblutungsstörungen im Bereich der Unterschenkel, Füße und Knöchel. Sie können anschwellen und reagieren dann empfindlich auf Druck. Schon nach kurzen Gehstrecken erzwingen Wadenschmerzen eine Pause. Der Volksmund hat dafür den Begriff „Schaufensterkrankheit“ geprägt, weil Betroffene öfter vor Geschäften stehen bleiben und dann Schaufensterauslagen betrachten. Der wahre Grund ist ein durch Gefäßschäden reduzierter Blutrückfluss zum Herzen. Dadurch wird die Wadenmuskulatur nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und reagiert „sauer“, mit der Folge der genannten Symptome.

Sehr gefährlich können krankhaft verengte Herzkranzgefäße und die Halsschlagader sein. Nicht immer werden Warnsymptome wie Luftnot, Brust- oder Rückenschmerzen, Seh- und Wortfindungsstörungen oder zeitweilige Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen von Patienten richtig gedeutet. Gefürchtet sind nicht nur Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch das Nierenversagen.

Täglicher Sport tut Arterien und Venen gut

Die gute Nachricht ist, dass tägliches Geh- und Bewegungstraining von mehr als einer halben Stunde das Risiko von Gefäßschäden, Bluthochdruck und Störungen des Glukosestoffwechsels senken kann. Auch bei bereits bestehenden, geringgradigen Durchblutungs- und Fettstoffwechselstörungen empfehlen Mediziner meist abwechselungsreiche, körperliche Aktivitäten. Um von deren „Bewegungs-Rezepten“ zu profitieren, muss man nicht einmal Zuschüsse zu Medikamenten in der Apotheke zahlen.

 

Teil 3: Sport mit Gelenkproblemen am 2. Juli