Magdeburg/Köln l Was in den vergangenen Wochen schon zu befürchten war, ist jetzt leider Realität. Die Handball-Bundesliga hat die Saison endgültig abgebrochen. Wirtschaftlich wäre eine mögliche Fortsetzung mittels Geisterspielen nicht vertretbar gewesen.

SCM stimmt auch für Abbruch

Lange nachgezählt werden musste bei der Handball-Bundesliga (HBL) nicht. Denn die Verantwortlichen der 36 Clubs der 1. und 2. Liga haben sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die Saison vorzeitig zu beenden. Auch der SC Magdeburg hat bei der Befragung für einen Abbruch gestimmt.

Trotzdem nehmen die Grün-Roten die Enttäuschung eher mit einer Mischung aus Enttäuschung und Verständnis diese Entscheidung auf. SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt: „Die aktuelle Situation lässt keine andere Entscheidung als den Abbruch zu. Durch das behördlich erteilte Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August, in Verbindung mit dem weiterhin bestehenden Kontaktverbot, ist an einen halbwegs geordneten Trainings- und Spielbetrieb nicht mehr zu denken.“

Verständnis bei Schmedt und Wiegert

Um einigermaßen wieder auf ein entsprechendes Spiel-Level zu kommen, hätte es rund drei Wochen echtes Mannschaftstraining gebraucht. SCM-Trainer Bennet Wiegert: „Weil das derzeit nicht möglich ist, kommt die Entscheidung natürlich nicht überraschend. Die Tendenz hatte sich klar angedeutet. Mir wäre natürlich eine sportliche Lösung lieber gewesen. Aber trotzdem zeige auch ich mich absolut solidarisch und akzeptiere diesen Beschluss.“

SCM bleibt Dritter

Dass für die Abschlusstabelle eine Quotientenregelung herangezogen wurde, um die erreichten Punkte durch die jeweiligen Spiele zu teilen, verändert für den SCM nichts. Die Grün-Roten bleiben auf Rang drei und haben sich somit für die ab nächster Saison neu ins Leben gerufene European Handball League qualifiziert.

Wann die neue Spielzeit in der Bundesliga startet, ist noch offen. Durch das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August laufen die Planungen erst einmal auf den September hinaus.

Nur eine Gegenstimme

Laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann habe es bei der Abstimmung nur „eine Gegenstimme“ gegeben. Die dürfte wohl von den Berliner Füchsen gekommen sein. Deren Geschäftsführer Bob Hanning hatte vorgeschlagen, alle 18 Erstligisten im Juni an einem Ort zu versammeln und innerhalb kürzester Zeit die verbleibenden Spiele absolvieren zu lassen. „Geisterspiele sind schwer zu organisieren für Mannschaften außerhalb des Fußballs. Das blöde Virus einzudämmen, wäre bei jedem Fortsetzungsszenario schwierig geworden“, erklärte Bohmann dem SID und verwies darauf, dass die HBL den Abbruch „von den ungerechten Lösungen für die beste gehalten habe“.

Obwohl die Füchse durch den schlechteren Quotienten gegenüber den Rhein-Neckar Löwen von Rang fünf auf Rang sechs rutschten und damit vorerst ein internationales Ticket verpassen, hat Hanning bereits erklärt, auf „einen Klageweg“ zu verzichten. Hannover bleibt Vierter.

Geisterspiele keine Alternative

Unterm Strich war die Entscheidung der HBL auch alternativlos. Denn während die Fußball-Bundesligen ihre Haupteinnahmen über die TV-Gelder generieren (ca. 1,16 Milliarden Euro für die aktuelle Spielzeit), kommen die Handball-Bundesligisten zusammen nicht mal auf drei Millionen Euro an Fernsehgeldern. Existenziell sind im Handball deshalb die Zuschauereinnahmen. Deshalb ergeben Geisterspiele hier wenig Sinn und hätten Vereine in die Insolvenz geführt. Der durch den Abbruch entstehende finanzielle Schaden wird ohnehin schon auf rund 25 Millionen Euro geschätzt.

Kiel feiert Titel per Videokonferenz

Allein durch den Meistertitel wird der THW Kiel den Abbruch mit am besten verkraften können. Zum Feiern hatte aber keiner so richtig Lust. Die Spieler stießen nur kurz bei einer Videokonferenz an. Neben Kiel hat sich auch Flensburg für die  Champions League qualifiziert. Absteiger gibt es nicht. Dafür steigen Coburg und Essen auf und erhöhen die Bundesliga auf 20 Teams. Möglicherweise wird deshalb auf den DHB-Pokal verzichtet.