Dortmund (dpa) - Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat den Vorstand der Handball Bundesliga Frauen (HBF) in einem Offenen Brief zu einem Umdenken in der Meisterfrage aufgefordert.

Die Entscheidung, dem BVB-Team nach dem Abbruch der Saison als Tabellenführer nicht den Titel zuzusprechen, sei empörend. "Für mich als ehemaliger Handballer steht die Sportart vor anderen für Fairness und Sportsgeist. Umso empörender empfinde ich gemeinsam mit den anderen Unterzeichnenden die Tatsache, dass Sie den Handball-Damen des BVB den Meistertitel mit fadenscheinigen Begründungen verwehren", schrieb Sierau in einem an den HBF-Vorstandsvorsitzenden Andreas Thiel adressierten Brief.

Anders als die Männer-Bundesliga mit dem THW Kiel hatte sich die HBF nach dem Abbruch der Saison wegen der Coronavirus-Pandemie entschieden, keinen Meister zu küren. Sierau forderte Thiel dazu auf, "Sportsgeist zu zeigen, und den Beschluss zurückzuziehen". "In Zeiten des Coronavirus gilt es, zusammenzustehen und nicht zu spalten". "Ihr Vorstandsbeschluss spaltet und ist für die BVB-Damen diskriminierend", klagte Sierau. Neben Sierau und anderen gehören auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und die ehemaligen Leistungssportler Annegret Richter (Leichtathletik) und Thomas Happe (Handball) zu den Unterzeichnern.

HBF-Chef Thiel hatte die Entscheidung in der "Bild" verteidigt. "Die Eishockey- und die Volleyball-Bundesliga oder internationale Ligen wie in Schweden oder auf dem Baltikum haben sich auch dagegen entschieden, einen Meister zu proklamieren", sagte der ehemalige Weltklasse-Torhüter. "Wir haben uns als kleine Schwester der großen Ligen an die Vorgaben des Verbands gehalten. Ich habe da nirgendwo gelesen, dass ich einen Meister benennen muss."

Offener Brief