Flensburg l Ein bisschen stichelnd kam die Werbeanzeige schon daher. Im Magazin „Konter“, dem Hallenheft der SG Flensburg-Handewitt zum Spiel gegen den SC Magdeburg, präsentierte ein Flensburger Recycling-Unternehmen eine große Anzeige. Darauf zu sehen: Ein riesiger Haufen gepressten Metall-Schrotts, garniert mit dem Logo des SCM und dem Slogan: „Zerlegen, verarbeiten, entsorgen.“ Und: „Heute bleiben die Punkte hier.“

Sticheleien wie diese gehören dazu, wenn die beiden besten Handball-Mannschaften der Republik aufeinanderstoßen. Rivalität mit einem Augenzwinkern. Und weitaus härter als die Anzeige war für den SC Magdeburg ohnehin der Ausgang dieses Spitzenspiels. 25:26 (11:14) unterlag die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert. Sie verpasste damit den Sprung an die Tabellenspitze, hat nun vier Minuspunkte mehr auf dem Konto als die SG.

Flensburg lernt aus Fehlern des Pokalspiels

Die Gastgeber, die vor zwei Wochen das Pokalspiel an gleicher Stelle gegen den SCM verloren hatten, zeigten von Beginn an, dass sie aus der Pleite gelernt hatten. Flensburg brillierte durch seine starke Abwehr und sein schnelles Rückzugsverhalten. „Man hat gesehen, dass wir von Anfang Probleme hatten, das Tempo aufzunehmen", analysierte Wiegert bei „Sky". „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir den Zugriff haben, wir machen extrem wenig Tore für unsere Verhältnisse. Dass wir überhaupt noch die Chance haben, einen Punkt mitzunehmen, zeigt unsere Moral", lobte der Coach.

Der SCM hatte spürbar Probleme im Rückraum. Spielmacher Marko Bezjak kam nicht zur Geltung, Albin Lagergren, der verletzt von der Nationalmannschaft zurückgekehrt war, lief mit einer Fußverletzung nicht rund. „Er hat gebraucht, um Vertrauen in seinen Körper zu finden", sagte Wiegert. „Ich kann ihm nur danken, dass er sich für seine Teamkollegen überhaupt zur Verfügung gestellt hat. Aber es war nicht der Albin, den wir in den letzten Wochen hatten." Und so lief der SCM permanent einem Rückstand hinterher. Beim Stand von 4:9 in der 14. Minute musste Wiegert deshalb erstmals eingreifen, nahm die erste Auszeit. „Wir sind dafür verantwortlich, die Intensität hochzuhalten", rief er seinen gehemmt wirkenden Schützlingen zu.

Doch es blieb zunächst dabei: Die Magdeburger quälten sich im Positionsangriff, brachten ihre beiden größten Qualitäten nicht zur Geltung: das Tempospiel und die Kombination aus Abwehr- und Torhüterleistung. Beste Belege: Erst in der 22. Minute gelang SCM-Rechtsaußen Robert Weber der erste Gegenstoß-Treffer. Im Tor wechselte Wiegert Mitte der ersten Halbzeit sogar, nahm Dario Quenstedt – er war ohne Parade geblieben – runter und brachte Jannick Green. Dem gelang in der 26. Minute die erste Torhüter-Parade gegen einen Flensburger Wurf.

Schiris liefern Posse bei Zeitstrafe

So entwickelte sich ein überaus unrundes Handball-Spiel, das vor der Pause nur selten dem Status eines Gipfeltreffen gerecht wurde. Unterstützt auch von unsicheren Schiedsrichtern, die kurz vor der Pause völlig überfordert waren, den richtigen Flensburger für eine Zwei-Minuten-Strafe auszumachen. Ihre vierte (!) Wahl fiel auf Simon Hald – es war die falsche. Die Zuschauer quittierten es mit einem gellenden Pfeifkonzert. Auf den Kampfrichter-Tisch flogen sogar Gegenstände von den Rängen.

Mit einem 11:14-Rückstand ging der SCM schließlich in die Pause – und kam mit frischem Schwung aufs Paket zurück. Beim 17:17 gelang der Wiegert-Truppe der erste Ausgleich nach dem 1:1. Doch eines blieb unverändert: Die Magdeburger kamen nicht ins Tempospiel, alle Tore waren harte Arbeit im Positionsangriff. Und dort zeigte sich einzig Robert Weber treffsicher. Der Österreicher war am Ende mit zwölf Treffern der mit Abstand beste Werfer der Gäste.

Trotzdem hielt der SCM die Partie bis zum Ende offen. Beim 25:26 nahm Wiegert elf Sekunden vor Schluss eine Auszeit. Und ausgerechnet Robert Weber traf von außen nur den Pfosten – und vergab so das mögliche Remis.

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