Rübeland l Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust. Vor allem im Harz. Unzählige Touristen, Familien und Naturfreunde nutzen ausgiebige Spaziergänge, um sich von ihrem Alltagsstress zu erholen, die Waldluft zu genießen oder einfach mal abzuschalten. Damit das Wandern ein Vergnügen bleibt, müssen vor allem Wege und Schilder, Aussichtspunkte und Sitzmöglichkeiten in gepflegtem Zustand sein. Hier ist der Harzklub gefragt. Der Zweigverein Rübeland stellt sich seit seiner Neugründung vor 25 Jahren dieser enormen Herausforderung.

Interessierte gewonnen

Mitgründer Christoph Unger leitete seit Beginn an die Geschicke. „Nach der Wende gründeten sich im Osten die Harzklubs neu. In der DDR gab es sie nicht mehr. Damals war ich noch Elbingeröder – und dort gab es bereits einen Harzklub – aber ich wusste schon, dass ich mit meiner Frau nach Neuwerk ziehen werde. Und dann habe ich einfach Inte­ressierte um mich gescharrt“, erinnert sich der heute 82-Jährige an die Anfänge zurück. Die nötige Unterstützung bekamen die Heimatfreunde vom damaligen Bürgermeister Rolf Müller und dem Direktor der Rübeländer Tropfsteinhöhlen, Wolfgang Hase.

Stolz auf das Erreichte

Mit Stolz blickt Christoph Unger 25 Jahre später auf das Erreichte zurück. Eine besondere Ehre sei daher die Verleihung des Harzklub-Ehrenabzeichens in Gold gewesen, das er 2017 stellvertretend für alle aktiven Mitglieder des Zweigvereins entgegennahm. Doch viel mehr als die Auszeichnung zähle für ihn das, was er und seine Mitstreiter vor Ort realisiert haben. „Zu unseren größten Taten gehört, dass wir uns durchsetzen konnten, dass der Harzer-Hexen-Stieg durch Rübeland führt. Und heute ist das einer der schönsten und beliebtesten Abschnitte“, betont er.

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50 Kilometer Wanderwege

Mit drei länderübergreifenden Wanderwegen sowie einer Summe an kürzeren lokalen Strecken ist der Rübeländer Zweigverein für rund 50 Kilometer des Wanderwegenetzes zuständig. Diese gilt es, regelmäßig unter die Lupe zu nehmen, ebenso wie die Sitzgruppen und Schilder. Instandsetzungsarbeiten müssen beauftragt oder in Eigenregie umgesetzt werden. Dazu kommt die Pflege beliebter Aussichtspunkte und Ausflugsziele – mit dem Aussichtspavillon Hoher Kleef und dem Schornsteinberg befinden sich zwei Stempelstellen der Harzer Wandernadel im Gebiet, die Burgruinen Suseburg und Birkenfeld werden ebenfalls gern besucht. „Es ist eben auch ein bisschen Stress dabei“, weiß Christoph Unger.

Obwohl er sich in den zurückliegenden 25 Jahren gern engagiert habe, sei er nicht traurig, diese Zeit nun hinter sich zu lassen. „Ich habe mehrfach in meinem Leben tolle Aufgabengebiete abgeben müssen. Ich bin sicher, dass wenn ich fit bleibe, auch danach schöne Dinge passieren.“

Verein vor Auflösung

Eine schöne Sache ist bereits geschehen, denn ursprünglich hätte Ungers letztes Jahr auch das letzte Jahr des Harzklub-Zweigvereins bedeutet. Niemand wollte die Vorstandsaufgaben übernehmen. „Als ich vor zwei Jahren 80 Jahre alt geworden bin, wollte ich, dass ein Jüngerer das Ruder übernimmt. Aber es hat sich keiner gefunden, die Auflösung des Vereins stand zur Diskussion“, erzählt er. Damals beschlossen die Mitglieder, zumindest die 25 Jahre noch vollzumachen. Dann kam überraschend doch alles anders.

Neue Mitglieder gewonnen

„Wir haben uns schon immer für den Ort engagiert, sind fast alle in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Durch Zufall haben wir Ralph Ehrt getroffen, der uns von der Situation im Verein erzählt und uns quasi angeworben hat“, erzählt Florian Vaupel. Er ist einer von vier neuen Mitstreitern im Verein, wurde bei der Mitgliedsversammlung am 14. November zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Gemeinsam mit Chris Wichert, Patrick Conrad und Thomas Dahms trat er Anfang des Jahres in den Harzklub ein, um etwas zu bewirken. Die vier Freunde haben sich kurzerhand zur Bewältigung dieser Aufgabe zusammengeschlossen.

Neue Wege gehen

„Wir haben uns gedacht, dass wir den traditionsreichen Verein weiterführen könnten, natürlich unter anderen Voraussetzungen und mit neuen Ideen“, bekräftigt der frischgewählte Vorsitzende Chris Wichert. Dass sie in große Fußstapfen treten, sei ihnen durchaus bewusst. „Mit der Betreuung des umfangreichen Wegenetzes hat man schon gut zu tun, dazu kommt die Kontrolle der Beschilderung, die Teilnahme an Versammlungen des Hauptvereins. Als Hobby ist das eine ganze Menge“, weiß Florian Vaupel. Schließlich gehen alle einem Beruf nach, arbeiten in Schichten.

Unterstützung zugesagt

Deshalb seien sie für jede Hilfe dankbar. „Wir haben für die Seniorenwanderungen beispielsweise keine Zeit. Diese Aufgabe wird glücklicherweise Christoph Unger weiter übernehmen“, erklärt das 35-Jährige Vorstandsmitglied. Und auch Ralph Ehrt als langjähriger Wegewart kündigt seine Unterstützung an. „Die Funktion des Wegewarts ist eine sehr wichtige. Wir erklären uns daher gern bereit, in der ersten Zeit mit Fachwissen zu helfen. So kollegial muss man sein“, betont er. „Wir gehen mit Anstand und haben uns bemüht, alles ordentlich zu übergeben. Seit wir wissen, dass sich jemand gefunden hat, haben wir diejenigen in die Entscheidungen eingebunden“, schließt sich Christoph Unger an. „Ich wünsche der neuen Generation, dass sie sich für die Region weiterhin fruchtbringend engagiert und dass das, wofür wir uns eingesetzt haben, erhalten bleibt. Sie werden es anders machen, das ist aber auch in Ordnung.“

Erste Ziele hat sich der verjüngte Vorstand bereits auf seiner Einstandssitzung zu Beginn der Woche gesetzt. „Wir wollen mit der Zeit gehen, uns über Facebook und Instagram präsentieren, um auch junge Leute für die Vereinsarbeit zu gewinnen“, blickt Vorsitzender Chris Wichert in die Zukunft. „Zudem wollen wir mit dem Landesforstbetrieb und der Ortschaft Rübeland gut zusammenarbeiten, uns gern an den Feierlichkeiten zum 700. Jubiläum im kommenden Jahr beteiligen.“