Gardelegen l „Ich habe immer gehofft, dass die Tafel wieder auftaucht.“ Aus dem Wunsch wurde Wirklichkeit. Die Originaltafel, die US-Soldaten der 102. Infanteriedivision mit Kommandeur Frank A. Keating im April 1945 am Friedhof der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe hatten aufstellen lassen, ist wieder da. Die Freude darüber war dem Leiter der Gedenkstätte, Andreas Froese, anzusehen. Denn gestern wurde die Tafel – aufgrund ihrer Größe von 3,08 mal 2,50 Meter in Fotoform – offiziell von der Stadt an die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, Träger der Gardeleger Gedenkstätte, übergeben. Als Dauerleihgabe, Eigentümer bleibt die Stadt Gardelegen.

Die Tafel sei als Grundlage für den Friedhof mit den 1016 ermordeten KZ-Häftlingen zu sehen, so Froese. Mit dieser Tafel legten die US-Soldaten im April 1945 den Gardeleger Einwohnern die lebenslange Verpflichtung auf, den Friedhof zu pflegen und die Erinnerung an die Opfer des faschistischen Verbrechens immer wach zu halten.

Tafel diente als Rückwand

Damals habe die Tafel am Eingang der Gedenkstätte an der Baumallee gestanden. Mitte der 1960-er Jahre in Verbindung mit dem 20. Jahrestag des faschistischen Massakers vom 13. April 1945 sei die Tafel dann abgebaut und durch eine DDR-zeitliche Tafel ersetzt worden, erläuterte Froese. Die Originaltafel kam damals ins Gardeleger Museum.

„Auf der neuen Tafel war von den Amerikanern nicht mehr die Rede, auch nicht, dass der Friedhof auf Anordnung der Amerikaner von der Gardeleger Bevölkerung angelegt werden musste“, so Froese. Das sei aber damals der Zeitgeist gewesen mit Kaltem Krieg, Mauerbau und Kuba-Krise.

Aus dem Blickfeld geraten

Irgendwann sei die Originaltafel aus dem Blickfeld geraten und irgendwann wieder aufgetaucht, und zwar als Rückwand eines Schuppens auf dem Friedhof. „Da gibt es noch Fotos davon“, erzählte Froese. Die Kunde von der Schuppenwand sei dann auch in den USA angekommen, was dort für einige Irritationen gesorgt hatte. Die Tafel sei daraufhin in den 1980-er Jahren wieder zurück ins Museum gekommen. Damals sei Wilfried Brickenkamp der Leiter der Gedenkstätte gewesen. Nach dem Original wurde eine Kopie angefertigt. Aufgestellt wurde die neue Tafel im September 1990.

1993 wurde das Original für eine Ausstellung nach Hannover gebracht. Danach verlor sich die Spur der Tafel.

„Wir haben schon danach gesucht“, sagte Bürgermeisterin Mandy Zepig. Aber einer wusste, wo die Tafel war, der städtische Archivar. Die Tafel nämlich befand sich in einem nicht öffentlich zugängigen Raum im Stadtarchiv. „Man sieht der Tafel zwar an, dass sie Jahrzehnte alt ist, aber sie ist trotzdem noch in einem guten Zustand“, so Zepig.

Original wird Exponat

Das Original wird künftig ein Exponat der geplanten Dauerausstellung im Besucher- und Dokumentationszentrum auf dem Gelände der Gedenkstätte sein. Ein solches Exponat habe eine ganz besondere Aura. „Da wird man schon ganz ehrfürchtig“, gestand Froese.

In wenigen Tagen findet anlässlich des 74. Jahrestages des faschistischen Massakers eine Gedenkveranstaltung unter anderem mit Gästen aus mehreren europäischen Ländern statt.