London (dpa) - In den 70er Jahren gab es nicht viele TV-Heldinnen wie sie. Mit Außenwelle und Schlaghosen, vor allem aber schlagfertig und smart lösten Kate Jackson, Farrah Fawcett und Jaclyn Smith in der Kultserie "Drei Engel für Charlie" zahlreiche Kriminalfälle.

Anfang der 2000er sorgten Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu in der mitreißenden und witzigen Kino-Neuauflage "3 Engel für Charlie" und deren Fortsetzung für gute Unterhaltung. Fast 20 Jahre später gehen jetzt Kristen Stewart, Naomi Scott und Ella Balinska als neue Engel für den geheimnisvollen Agenturboss Charlie auf Verbrecherjagd, und zumindest in Hamburg dürfte man darüber hocherfreut sein.

Denn schon im Vorspann von "3 Engel für Charlie" ist die Hansestadt prominent vertreten, wenn die Kamera über die sommerliche Binnenalster schwenkt. Doch es war die imposante Elbphilharmonie, die die Produzentin, Drehbuchautorin und Regisseurin Elizabeth Banks dazu bewegt hat, große Teile ihres Actionfilms in Hamburg zu drehen. Im Film ist die Elbphilharmonie kein Konzerthaus, sondern das Hauptquartier des Technologiekonzerns Brock.

Brock hat ein Gerät namens Calisto entwickelt, das entfernt an Amazons Alexa oder Google Home erinnert. Dummerweise kann Calisto tödliche Nebenwirkungen entfalten. Brock-Mitarbeiterin Elena Houghlin (Naomi Scott) weist ihren Boss auf die Macke hin, doch inzwischen hat Calisto das Interesse gut betuchter Krimineller geweckt.

Elena nimmt Kontakt zur Townsend Agentur - den Engeln - auf. Doch ein Gespräch in einem Hamburger Café wird von einem Auftragskiller (fies: Jonathan Tucker) gestört. Die Engel Sabina Wilson (Kristen Stewart) und Jane Kano (Ella Balinska) greifen ein. Anschließend macht Agentin Bosley (auch Elizabeth Banks) Elena zum Teil des Teams - drei Engel für Charlie sind damit komplett.

Die erste weibliche Bosley hat den Job des langjährigen Mitarbeiters John Bosley (Patrick Stewart) übernommen, der zu Anfang feierlich verabschiedet wurde. Auf alten Fotos ist John mit früheren Engeln zu sehen, darunter die 70er-Jahre-Stars Jackson, Fawcett und Smith und das Trio Diaz, Barrymore und Liu. Die neue Verfilmung verbindet damit die alte TV-Serie und die Kinofilme. Banks versteht "3 Engel für Charlie" also eher als Fortsetzung, nicht als unabhängigen Neustart.

Leider hat ihre zweite Regie-Arbeit weder die Leichtigkeit und den Schwung der alten TV-Serie noch den quirligen Witz und die Dynamik vorheriger Kinoabenteuer. Die Actionszenen sind gelungen. Aber die Handlung ist zu konstruiert und trotz einiger absurder Wendungen meistens vorhersehbar und langweilig. Die Story ist voller Klischees. Und sieht man von ein paar drögen Sprüchen ab, ist "3 Engel für Charlie" fast frei von Humor. Der Film nimmt sich viel zu ernst.

Echtes Charlie-Feeling kommt nur auf, wenn sich das Trio durch die umfangreiche Garderobe der Townsend-Agentur wühlt und Kostüme der ehemaligen Engel findet, während dazu die berühmte Titelmelodie von Henry Mancini erklingt. Ein Auftritt auf einer Party, bei der Jane und Sabina - als Disco-Queens verkleidet - auf der Tanzfläche einer Brock-Party zu Donna Summers "Bad Girls" eine starke Choreographie zeigen, bevor sie diverse Bösewichte verprügeln, gehört auch zu den charmantesten Szenen. Von solchen Momenten gibt es aber zu wenige.

Die Einspielergebnisse beim US-Start von "Charlie's Angels" waren enttäuschend. "Wenn du einen Flop hast, dann sorg dafür, dass dein Name mindestens viermal draufsteht", twitterte Banks. Die vielseitig talentierte Schauspielerin ("Die Tribute von Panem - The Hunger Games") mutmaßte, das Publikum sei nicht bereit für weibliche Heldinnen. Nutzer der sozialen Medien erinnerten hingegen an die großen Erfolge von "Captain Marvel" und "Wonder Woman".

Das Manko von "3 Engel für Charlie" sind keinesfalls seine Heldinnen. Schließlich waren auch die Vorgängerinnen erfolgreich. Dass der Film nicht zündet, liegt auch nicht an Balinska, Scott und der fast zu coolen Stewart, sondern am schwachen Drehbuch und der schnöden Inszenierung. Schade für alle Beteiligten. Und schade für Hamburg.

- 3 Engel für Charlie, USA 2019, 119 Min., FSK ab 12, von Elizabeth Banks, mit Kristen Stewart, Ella Balinska, Naomi Scott, Patrick Stewart

Tweet von Elizabeth Banks

Sony Pictures Deutschland