Berlin (dpa) - Manche Filme wollen einem schon mit dem Titel das Herz wärmen. So ist es auch mit dem neuen Kinofilm "The Kindness of Strangers", der auf Deutsch noch einen sentimentalen Untertitel bekommt: "Kleine Wunder unter Fremden". Gleich mehrere Unbekannte treffen sich darin im winterlichen Manhattan.

Mit ihren Söhnen flieht Clara (Zoe Kazan) vor dem gewalttätigen Ehemann. Sie hat nur noch ihr Auto, setzt ihre Kinder tagsüber in der öffentlichen Bibliothek ab und schleicht sich auf Partys, um zumindest ein paar Kaviar-Schnittchen zu klauen.

In ihrer Not lernt Clara den Ex-Häftling Marc (Tahar Ramin) und die Krankenschwester Alice (Andrea Riseborough) kennen, die beide auf ihre Art mit der Welt hadern. Ihre Geschichten laufen im "Winter Palace" zusammen - dem russischen Restaurant von Timofey. Der wird von Billy Nighy gespielt, bekannt aus "Tatsächlich... Liebe".

Die dänische Regisseurin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger") versucht, im Kleinen eine große Geschichte von Menschlichkeit zu erzählen. Im Februar wurde mit ihrem Film die Berlinale eröffnet, neben Cannes und Venedig eines der wichtigsten Filmfestivals.

Dass das Drama nun zur Weihnachtszeit ins Kino kommt, überrascht eigentlich nicht. Denn die Botschaft von Scherfigs Film wird schnell klar: Wenn doch nur alle so hilfsbereit wären wie manche dieser Figuren, dann könnte die Welt trotz aller Härten eine bessere sein.

Leider schwankt der Film dabei eher unentschlossen zwischen Suppenküche und Notunterkunft, Krankenhaus und Selbsthilferunde, Designerhandtasche und Kaviar. Die episodenhafte Erzählung lässt kaum komplexe oder ambivalente Figuren zu.

"The Kindness of Strangers" zeigt New York wie ein Dorf, in dem sich alle immer wieder über den Weg laufen. Eigentlich gibt es genug Potenzial für Gefühlskino, aber so richtig berührend wird es nicht. Manche Charaktere wirken arg selbstlos, manches dick aufgetragen.

Vielleicht hätte es gereicht, nur eine statt viele Geschichten zu erzählen. Trotzdem wird "The Kindness of Strangers" sein Publikum finden. Nicht nur wegen der Bilder aus dem verschneiten New York, die durchaus ihren Reiz haben. Sondern auch wegen des Gedankens hinter dem Film. Wer kann schon etwas gegen das große Plädoyer für mehr Güte sagen, so kurz vor Weihnachten?

The Kindness of Strangers

Berlinale zu "The Kindness of Strangers"

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