Berlin (dpa) - Die Musikerin Sia ist vor allem für ihre Pop-Hits bekannt ("Move Your Body", "Cheap Thrills"). Mit dem quirligen Musical "Music" feiert die 45-Jährige nun ihr Debüt als Spielfilmregisseurin. Dafür gab es gleich zwei Golden Globes-Nominierungen, unter anderem für Hauptdarstellerin Kate Hudson.

Der Film erzählt von einem jungen autistischen Mädchen namens Music (Maddie Ziegler), das von seiner Großmutter großgezogen wird. Die Protagonistin ist im Alltag beeinträchtigt, spricht so gut wie nicht, folgt strikten Routinen und trägt permanent Kopfhörer, weil sie mit den Umwelteinflüssen ansonsten nicht klarkommen würde. Zuflucht findet sie in der Musik - immer wieder steuert die Geschichte daher in ihr Gehirn, wo es surreal-fröhliche Sing- und Tanzeinlagen gibt.

Maddie Ziegler spielt das sehr überzeugend. Wenn sie permanent ihre Lippen einrollt, der Körper von ruckartigen Bewegungen durchgeschüttelt wird oder sie ihre Augen verdreht, wirkt das nicht gekünstelt. Seit sie klein ist, ist die 18-Jährige als Tänzerin bekannt. Berühmt wurde sie durch Auftritte in den Musikvideos von Sia, etwa als zwölfjährige in "Chandelier".

Music braucht einen geordneten Alltag. Der wird auf den Kopf gestellt, als erst ihre Großmutter stirbt und dann ihre Halbschwester Zu (Kate Hudson) in ihr Leben tritt. Diese hat selbst mit ihrem Leben zu kämpfen, ist Alkoholikerin und dealt mit Drogen. Sie versucht, vorübergehend mit Music zusammenzuleben und erhält dabei Unterstützung von Nachbar Ebo (Leslie Odom Jr.).

Noch vor der Veröffentlichung wurde Kritik an dem Musical laut. Der Grund: Das autistische Mädchen wird nicht von einer autistischen Schauspielerin gespielt. Zudem sei der Film mit poppigen Tanz- und Musikeinlagen für viele Menschen mit autistischen Beeinträchtigungen nicht geeignet, kritisierten einige etwa unter dem Musikvideo der Single "Together" auf Youtube. Denn viele Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Sinnesreizen und können schnell davon überfordert sein. Eine Aktivistin startete eine Petition, um den Film zu stoppen. Medienberichten zufolge entschuldigte Sia sich auf Twitter - löschte aber später ihren Account.

Die Kritik am Umgang mit Autismus hinterlässt einen Beigeschmack. Davon abgesehen lohnt sich "Music" wohl vor allem für Fans der talentierten Songwriterin Sia. Auch Kate Hudson liefert eine starke Leistung - und kann damit ein wenig über die Tatsache hinwegtrösten, dass die Geschichte anders als die Musik flach bleibt und die Charaktere etwas eindimensional erzählt sind.

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