Magdeburg l Mit einem mutigen, außerordentlich erfolgreichen Programm sind die Kammerspiele Magdeburg im vergangenen Jahr in ihre erste Spielzeit gestartet. Neun Premieren, davon fünf Uraufführungen, viele ausverkaufte Auftritte, erfolgreiche Gastspiele, der Besetzungscoup mit Grimme-Preisträger Jörg Schüttauf in „Abraham“. Die freie Theatergruppe ohne feste Spielstätte freute sich über eine 94-prozentige Auslastung. Die zweite Spielzeit soll da anknüpfen.

Vier Premieren planen die Kammerspiele und mehrere Wiederaufnahmen. „Abraham“ wird beispielsweise nach dem Erfolg im Februar erneut gezeigt, das tragikomische Stück von Autor Dirk Heidicke über den jüdischen Komponisten Paul Abraham, der von Schauspieler Jörg Schüttauf verkörpert wird. An dessen Seite spielt und singt Susanne Bard. Das Team war Ende September und Anfang Oktober an den Hamburger Kammerspielen zu Gast, bis November sind insgesamt 20 Vorstellungen in der Hansestadt geplant, am 29. Oktober startet mit Heidickes Uraufführung das Festival der freien Theater „Neuland“ in Halle. Am 30. und 31. Oktober wird „Abraham“ noch einmal in Magdeburg als Sonderveranstaltung im Rahmen der Tage der jüdischen Kultur und Geschichte aufgeführt (beide Auftritte 20 Uhr, Blüthnersaal, Stadthalle, Karten: Forum Gestaltung oder 0391/ 8  86  41  97). „Wir sind sehr froh über diese beiden Magdeburger Termine“, sagt der künstlerische Leiter Michael Günther. In Schüttaufs Terminkalender sei kaum freier Platz zu finden.

Ausgebuchte Terminkalender müssen auch Michael Günther und Susanne Bard haben. Ihre Gesichter und Stimmen prägen die Premieren und Wiederaufnahmen. Heute Abend steht Susanne Bard in der Feuerwache in einem neuen Arrangement des musikalischen Abends „Schön im Zwielicht“ auf der Bühne.

Chansonabend, das Stück „Die Birnen von Ribbeck“, ein Text für einen Schauspieler, den Friedrich Christian Delius 1991 anlässlich der deutschen Wiedervereinigung geschrieben hatte, bis hin zu Goethes „Faust - Der Tragödie erster Teil“ – das Team der Kammerspiele, das sich in der neuen Spielzeit mit vielen Gästen verstärkt, darunter dem Rossini-Quartett und dem A-cappella-Ensemble „voices only“, hat sich erneut viel vorgenommen. Michael Günther nennt „Faust“ (Bearbeitung Dirk Heidicke) ein Großprojekt. Aufgeführt wird der Klassiker im Forum Gestaltung, ohne Bühnenbild. Günther kündigt eine Reise durch die Räume an. Er spielt mit, Bard natürlich auch. Sie wird ihre Auftritte in ihrer Schauspielkarriere als Mephistopheles wohl kaum noch zählen können. Neu aber wird der Faust an ihrer Seite. Mit Oliver Breite, neben seinen Theaterengagements regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, konnte wieder ein bekanntes Gesicht engagiert werden.

Und was wird mit „Olvenstedt probiert‘s“, der Kult-serie, die seit 2006 mehr als 15  000 Zuschauer begeisterte? Nach der 22. Folge im Sommer kehren die Kammerspiele im Winter zum 21. Versuch zurück. „Dinner For One“ wird es ab 14. Dezember heißen. Bisher gab es neun Vorstellungen. Alle waren ausverkauft.