Stendal Das diesjährige Weihnachts-Programm des Theaters der Altmark in Stendal heißt: „Oh du frö-hö-liche…!“ Marleen Gaida sprach mit dem Intendanten Alexander Netschajew über die Botschaft von Weihnachten und christliche Werte in Zeiten, in denen Terroranschläge und Kriege die Welt erschüttern.

Am Donnerstag hat das Stück „Oh, du-frö-hö-liche...!“ Premiere. Das klingt nach einem klassischen Weihnachtsprogramm.

Alexander Netschajew: Ja, diese Spielzeit-Position ist in den 70er Jahren entstanden, als es viele Anfragen von Vereinen und Seniorenheimen gab, mal etwas Traditionelles zu spielen. Ich habe das auch so übernommen. Letztes Jahr gab es einen amerikanischen Jazz-Weihnachtsabend. Dieses Jahr ist es ein deutscher Abend. Deswegen heißt der Abend „Oh, du-frö-hö-liche…!“, mit einem kleinen Augenzwinkern, aber ohne sich über Weihnachten lustig zu machen. Es ist ein reiner Nummernabend mit vielen Liedern und Geschichten.“

Warum gehen Sie mit auf die Bühne?

Ich habe mich dazu entschieden, weil alle meine Schauspieler sehr mit den aktuellen Produktionen beschäftigt sind – ich wollte sie entlasten. Außerdem möchte ich als Intendant mal wieder Gesicht zeigen.

Brauchen die Menschen ein fröhliches Stück heutzutage mehr denn je?

Ja, ich finde schon. Wie wir wissen, laufen durch Dresden und andere Städte jeden Montagabend Menschen, die die abendländischen Werte hochhalten wollen. Ich bezweifle, dass sie wissen, was abendländische Werte sind. Ich werde nicht mit dem Holzhammer auf diese Dinge draufhalten, aber wer zuhören kann, wird es raushören. Aber vor allem erinnert Weihnachten an die Geburt Jesus Christus. Für mich gibt es nichts Schöneres als die Geburt eines Kindes. Ich glaube, dass unser Format die Leute erfreuen kann. Jeder hat Gefühle zu Weihnachten.

Müssen wir uns also auch Weihnachten mit Politik beschäftigen?

Mich machen die aktuellen Ereignisse traurig. Wie jetzt in Paris, diese verirrten Seelen, die auf ihre Fahnen mir fremde Werte schreiben. Da habe ich mich gefragt: Was sind eigentlich unsere Werte? Ich habe manchmal das Gefühl, es geht nur noch darum, das neueste iPhone zu haben und Coca Cola zu trinken. Ich glaube, dass es eine Wohlstandsverwahrlosung gibt in der Gesellschaft. Ich finde, wir müssen uns darauf besinnen, was uns heilig und wichtig ist. Unser Grundgesetz zum Beispiel, das besagt, ‚die Würde des Menschen ist unantastbar‘. Und das Recht auf Asyl.

Wollen Sie mit „Oh du frö-hö-liche…!“ auch an die Nächstenliebe der Menschen appellieren?

Mit dem Stück gehen wir zu den Ursprüngen des Weihnachtsfestes zurück – deswegen werde ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium vorlesen. Dort heißt es: „Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge...“. Bei mir ploppen da Assoziationen auf, obwohl ich mich nicht als christlich religiös bezeichnen würde. Man ist bei Weihnachten immer schnell bei einem großen Gesamtzusammenhang.

Kann das Theater in schwierigen Zeiten die Herzen erwärmen?

Ich glaube schon. In unserem Weihnachtsstück geht es darum, sich eine Stunde lang mitnehmen zu lassen, mit alten Liedern, die man aus der Kindheit kennt. Der Theaterchor des Theaters wird uns musikalisch begleiten, der Sänger Bernd Marquardt, der das Theater der Altmark noch aus Musiktheaterzeiten kennt. Das Publikum kann auch mitsingen. Es wird besinnlich und heiter zugehen.