Magdeburg l Ein Generationenkonflikt unter den „Hengstmännern“? Es scheint fast so, wenn es ums „Wollen, Können oder Müssen“ im verflixten siebten gemeinsamen Programm der drei geht. „Nach 25 Jahren sind wir in der Realität angekommen“, so die Brüder, „aber der ‚Alte‘ nicht.“ Der „Alte“? Hört sich das nach Selbstkritik, gar nach einer Schaffenskrise an?

Mitnichten, wie der aus der Garderobe ausgebrochene entfesselte „Alte“ seinen Filiusse entgegenschmettert: „Ihr Kleinkünstler!“ Da zeigt sich dann, wer als Prinzipal in diesem Kabarett die zeitkritisch-aktuellen Hosen anhat, auch wenn zwischendurch immer mal wieder „früher war eine schöne Zeit“ durchschimmert.

Mit Harmonien beim Wolfs-Swing wird dann der Frieden unter den Familienkabarettisten wieder hergestellt. Die Frage nach dem Biest steht dabei im Mittelpunkt. Sind Schafe immer die Opfer? Und ist der Wolf immer das Biest? Die Frage danach bleibt dank der geschickten Regie von Bernd Kurt Goetz offen, die Suche spannend.

Kabarettist Frank Hengstmann - ein Rückblick

Magdeburg (ag) l Mit fünf Jahren stand Frank Hengstmann erstmals auf einer Kabarettbühne. Das ist mittlerweile mehr als 55 Jahre her. Heute wird er unter anderem von seinen Söhnen Sebastian und Tobias sowie von seinem Alter Ego Manni begleitet.

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Doch ganz können es die aufmüpfigen Söhne dann doch nicht lassen, dem „Alten“ die Welt zu erklären. Ein Smartphone ist kein Autotelefon für den gleichnamigen Kleinwagen, und die Autokorrektur im Handy macht nicht automatisch aus scheinbar unlösbaren Problemen mit Flüchtlingen den streitbaren Satz „Wir schaffen das“.

Schon 1500 Jahre auf der Flucht

Als Frank Hengstmann in seiner Kultrolle als „Manni Fest“ mit bierschwerer Zunge einschläft, erscheint ihm im Traum der Rentner Franz Branntwein alias Tobias Hengstmann. Der ist nach eigenen Angaben schon 1500 Jahre auf der Flucht und kann deshalb erklären, weshalb Deutschlands Thema Nummer eins derzeit gar nicht so neu ist. Er war schon bei der Völkerwanderung im Jahr 500 dabei, als vor allem germanische Gruppen wanderten, weil die Hunnen Europa überzogen, hat den Untergang des Römischen Reichs wegen angeblicher Überfremdung erlebt und erklärt, dass die Bundesrepublik Deutschland auch untergegangen sei, weil knapp 17 Millionen Wirtschaftsflüchtlinge vor 25 Jahren „Wir sind das Volk“ gerufen hätten.

Das wird dem „Manni“ dann selbst im Traum zu bunt. Die Frage jedoch, wer denn nun das Biest sei, das hinter all den Unsäglichkeiten des politischen Weltentaumels stehe, ist immer noch offen.

Das klärt sich vielleicht in der stärksten Nummer des Programms – einer Audienz bei Kanzlerin Merkel. Es ist das einzige Mal, dass eine vierte Person auf der Bühne steht, oder besser sitzt, die von Tobias Hengstmann mit sicherer Hand geführt wird. Es ist die „mächtigste Frau der Welt“ in Puppengestalt, leicht zu erkennen an der markanten Frisur und den drei großen Knöpfen an der Jacke.

Sie ist nicht das erste Mal Mittelpunkt in einem Programm, aber immer ein Höhepunkt. Ihre führende Hand ist gleichzeitig Regierungssprecher und geht in beiden Rollen förmlich auf. Wenn aus dem Stoffmund ertönt, dass ein Volk, das folgt, Volk, und ein Volk, das nicht folgt, Pack heiße, dann gibt es offenen Szenenapplaus des Publikums.

Kanzlerin wird zur Königin

Das setzt sich in den Dialogen um den Versprecher von Sachsen-Anhalt zu Sachsen-Einfalt ebenso fort, wie in der Bemerkung, dass Horst Seehofer den Koalitionsvertrag wohl mit der Streitaxt unterschrieben habe. Wir würden am 13. März nicht wählen, um die „Rote Laterne“ loszuwerden, sondern, um einen neuen Träger zu ermitteln.

Hier geben die drei Kabarettisten ihren Affen richtig Zucker, wenn sie schließlich die Kanzlerin zur Königin von Deutschland machen, deren Stadtschloss in Berlin fast fertig ist, und sie damit enormes Wohlwollen erzielen. Da scheint sie zu sein, die Auflösung, wem die Rolle des Biests in diesem Programm zukomme. Doch noch mal gefehlt.

Ganz verderben wollen die „Hengstmänner“ es sich dann wohl doch nicht mit der Macht im Staate. Es erklingt ein wenig versöhnlich im Schlusslied die Auflösung, dass wohl ein bisschen Biest in uns allen stecke. Das Publikum nahm die Selbstkritik an, amüsierte sich köstlich und feierte mit den Protagonisten die Premiere.

Karten gibt es unter anderem noch für den 9., 10. und 15. März, jeweils 19.30 Uhr.