Berlin (dpa) l Fernsehen schon vor dem Start zur Arbeit? In den USA ist das seit den fünfziger Jahren ganz normal. In Deutschland haben sich die Informationssendungen für die Zeit zwischen morgendlicher Dusche und dem letzten Schluck Kaffee beim Frühstück erst viel später durchgesetzt. Doch seit immerhin 25 Jahren haben auch ARD und ZDF das „Morgenmagazin“ (MoMa“) im Programm, RTL und Sat.1 sind mit ihren Frühsendungen sogar schon etwas länger dabei. Am 13. Juli 1992 startete die ARD ihr Frühstücksfernsehen, sieben Tage später folgte das ZDF.

Die Menschen in den Tag hinein begleiten – so beschreibt Dunja Hayali ihre Rolle als Moderatorin beim ZDF-„MoMa“. Sie sei zwar „Morgenmuffel und Langschläferin“. Doch wenn sie am frühen Morgen im Berliner ZDF-Studio vor der Kamera stehe, sei sie hellwach. „Das ist dann im Hier und Jetzt meine Realität.“ Ein Magazin von 5.30 bis 9.00 Uhr: In Zeiten hoher nachrichtlicher Taktzahl wolle das „MoMa“ den Zuschauern „ein paar Gewissheiten“ über den Stand der Welt liefern – und das schon morgens.

Sven Lorig, Hayalis Kollege bei der ARD, ist der Dienstälteste unter den aktuellen „Moma“-Moderatoren. „Prall gefüllt“ beschreibt der passionierte Marathonläufer (Bestzeit: 3:13 Stunden) und Schlagzeuger das Frühangebot. Berichte, Wetter und Sport, alle halbe Stunde Nachrichten: Das „MoMa“ läuft über 210 Minuten nach einem festen Schema ab, ein roter Faden in der morgendlichen Hektik, der für Zuschauer in Eile manchmal auch nur als Tonspur wahrgenommen wird. Da helfen die Musikjingles.

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Nicht der beste Ruf

„Wer um halb sechs aufsteht, hat nicht wahnsinnig viel Zeit“, sagt Martin Hövel, der die „MoMa“-Redaktion für die ARD leitet. Noch vor Jahren habe Fernsehen zum Frühstück nicht den besten Ruf gehabt. Das ist längst nicht mehr so. „Die Zuschauer haben sich mit uns verändert.“

Das „Morgenmagazin“ ist mit seinen regelmäßigen Interviews auch ein Nachrichtenlieferant – spätestens wenn andere Medien die Sendung zitieren, fühlen sich die Macher bestätigt, dass sie an diesem Morgen journalistisch richtig lagen.

Kurz nach dem Start werden mit kurzen Beiträgen vergleichsweise viele Themen untergebracht. „Später wird es entspannter“, sagt Lorig – und die Beiträge werden länger. Seit 14 Jahren lebt der Moderator im „Jetlag“. In seiner „MoMa“-Woche – die ARD sendet im Wechsel mit dem ZDF in den geraden Wochen – geht er um 16.00 Uhr ins Bett, zum Arbeitsantritt um Mitternacht sei er dann fit. Für Lorig hat das auch Vorteile: Er kann an solchen Tagen mit den Töchtern Mittagessen und Hausaufgaben machen. Und wenn alle zur Arbeit gehen, läuft Lorig erst durch den Wald und übt später Schlagzeug.

Kein Randangebot mehr

Frühstücks-TV ist in Deutschland längst kein Randangebot mehr. Bei einem Marktanteil von 20,1 Prozent (2016) hat sich in einem Vierteljahrhundert die Zahl der „Moma“-Zuschauer von 1,72 Millionen auf 3,90 Millionen gut verdoppelt. Das Frühprogramm nimmt etwa ein Achtel der Sendezeit im Gesamtangebot ein, fand die Medienforschung heraus.

Zwar gab es Frühinformation bei den Öffentlich-Rechtlichen schon vor dem „MoMa“-Start, etwa während der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles. Die Idee zum „Morgenmagazin“ entstand während des Golfkrieges 1991. Angesichts des großen Zuschauerinteresses damals, entschieden ARD und ZDF, regelmäßig ein Frühformat anzubieten. Bei der ARD übernahm der WDR in Köln die Federführung, wo auch heute das Programm produziert wird. Das ZDF sendet aus Berlin.

Bei „Breaking News“ in der Frühe kann das „MoMa“ schnell reagieren. Wie bei der Tsunami-Katastrophe, dem Fukushima-Atomunfall oder jüngst beim Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt bilden die „MoMa“-Redaktionen am Morgen das Rückgrat des Informationsangebots von ARD und ZDF.

Mehr experimentieren will Andreas Wunn, der die ZDF-Redaktion des Magazins leitet. Beiträge sollen stärker auch über soziale Medien ausgespielt werden. „Wir wollen die Marke MoMa als Inhalte-Anbieter etablieren“, etwa über Facebook-Live.