1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Abschied vom Maler Bernhard Heisig

Trauerfeier im Havelberger Marien-Dom Abschied vom Maler Bernhard Heisig

04.07.2011, 04:45

Havelberg (ifr). Mit einer bewegenden Trauerfeier im Havelberger Dom verabschiedeten sich am Sonnabend Familienangehörige, Freunde, Weggefährten und Kollegen von einem der bekanntesten deutschen Maler - Bernhard Heisig. Der am 31. März 1925 in Breslau als Sohn des Malers Walter Heisig geborene Künstler lebte seit 1992 mit seiner Frau Gudrun Brühne im Haveldorf Strodehne (Landkreis Havelland). Dort war Bernhard Heisig am 10. Juni verstorben.

Lebensprägend wurde für ihn die Teilnahme im Weltkrieg. Der Schriftsteller Christoph Hein erinnerte in seiner Rede daran, dass der Verstorbene 1942 einberufen und an der Westfront schwer verletzt wurde. 1945 wurde er als Invalide in seine Heimatstadt entlassen. Bernhard Heisig bekam den Krieg mit den Todeskämpfen der Kameraden nie wieder aus seinen Kopf, betonte der Redner, er wurde Thema seines Leben, führte den Pinsel und beherrschte die Leinwand.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse erinnerte daran, dass Bernhard Heisig zu Lebzeiten als Künstler hoch verehrt, aber auch angefeindet wurde. Der Bundestag hatte den Maler vor einiger Zeit mit einer Ausstellung geehrt - der letzten zu seinen Lebzeiten.

Heisigs Werke berühren und faszinieren, seien auf Dialog konzipiert, sagte Armin Zweite, der Direktor der Münchner Sammlung Brandthorst. Die Themen Unterdrückung und Manipulation wurden von ihm immer wieder verarbeitet. Es enstanden autonome Kunstwerke, die auch nach seinem Tod weiterleben werden.

In die Kritik war Heisig wegen seiner staatstragenden Rolle in der DDR geraten - hier war er als Rektor der Leipziger Hochschule von 1974 bis 1988 auch Vizepräsident des Verbandes bildender Künstler. Doch eckte er auch bei den Machthabern an, 1964 kritisierte er auf einem Kongress die Kulturpolitik der DDR. Erich Honecker rehabilitierte ihn 1971.