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Neue Tournee Alles wie immer bei Helge Schneider

„Ene Mene Mopel“ heißt das neue Programm von Helge Schneider. Rund 40 Termine in Deutschland steuert er auf seiner Tournee an.

30.01.2018, 23:01

Heidelberg (dpa) l In der Welt von Helge Schneider ist alles möglich. Der Entertainer und Musiker schwenkt mitten im Quatsch-Hit „Katzeklo“ plötzlich in die Weber-Oper „Der Freischütz“ um und erklärt an anderer Stelle das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ zur Nationalhymne der Schweiz. Zum Auftakt des Deutschland-Teils seiner neuen Tournee präsentiert sich der 62-Jährige in Heidelberg in Bestform und kaspert auf etlichen Instrumenten herum. Bis Jahresende plant der Improvisationskönig aus Mülheim an der Ruhr rund 40 Gastspiele, darunter zwei Auftritte in der Elbphilharmonie.

In der Heidelberger Stadthalle wird den etwa 1350 Zuschauern schnell klar, dass der Tourneetitel „Ene Mene Mopel“ nichts mit dem Programm zu tun hat. Alles ist wie immer bei diesem Multitalent – erhabene Sinnlosigkeit, gepaart mit lässigen Jazzeinsprengseln. Schneiders Augen funkeln verschmitzt, wenn er sich zwischen bekannten Liedern wie „Es gibt Reis, Baby“ oder „Der Wurstfachverkäuferin“ Zeit nimmt für Witzeleien. Etwa für die Neuigkeit, dass der Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (1965) in Wirklichkeit von Beethoven geschrieben wurde („Der Komponist mit der frechen Frisur“).

Amüsiert winken die Besucher ab, wenn der Quatschmacher Heidelberg aufs Korn nimmt. „Diese Halle ist untrennbarer Teil meiner Karriere. Wie andere Hallen in anderen Städten auch“, sagt er etwa vernuschelt. Und ergänzt: „Ich würde ja öfter kommen, aber ich finde in Heidelberg keinen Parkplatz.“ Die Romantikstadt „am Rhein“ sei weltberühmt, sogar ein Tourist aus Andorra sei da. „Getroffen habe ich den leider nicht, er ging in der Parallelstraße.“ Sein Bassist Rudi Olbrich habe lange im Heidelberger „Körperwelten“-Museum mit präparierten Leichen gearbeitet und trage „heute Abend erstmals wieder Haut“.

Dass in mehr als zwei Stunden nicht jede Pointe zündet, wird dem Ruhrpott-Clown verziehen. Wenn Schneider dann in seiner schnodderigen Art genug albernes Zeug geredet hat, legt er los mit raffinierten Rhythmen. Mit Olbrich am Kontrabass und Peter Thoms am Schlagzeug spielt sich der Anarcho-Jazzer quer durch die Musikstile, singt etwa Folkloresongs in Fantasiespanisch und wirkt bei Swingsongs wie ein Frank Sinatra des Absurden. Seine aus zwei Generationen zusammengekommenen Fans danken mit viel Applaus.

Auf der „Ene Mene Mopel“-Tour bietet der kauzige Schneider ein Gemisch aus intelligenter Unterhaltung und Nonsens, ein Feuerwerk aus Kalauern und seltsamen Liedern. „In meiner Show bin ich Komiker, aber mein Herz schlägt für die Musik“, hatte er vor kurzem in einem Interview gesagt. Ein guter Musiker müsse sich selbst nicht so wahnsinnig ernst nehmen – sondern die Musik. „Er muss sie als eigenständiges Lebewesen anerkennen. Die Musik war immer schon da.“

Letzte Karten für das Konzert am 11. Dezember in Berlin sind noch zu haben.