Premiere für das "Dschungelbuch"-Musical im Nordharzer Städtebundtheater Am Ende wird Shir Khan ein Vegetarier
"Dschungelfieber kann nur der erleben, der sich hier zu uns in den Dschungel wagt", schmettert der Eingangschor, und viele quietschvergnügte Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieherinnen folgen der Einladung in die Häuser des Nordharzer Städtebundtheaters.
Halberstadt l "Das Dschungelbuch" - ein Musical von Konstantin Wecker (Musik) und Christian Berg (Libretto) nach Motiven von Nobelpreisträger Rudyard Kipling - hatte mit dem Schauspielensemble seine erfolgreiche Premiere in einer Inszenierung von Aurelina Bücher.
Von Hamburg über Berlin und Hannover bis München dschungelt es in der Weihnachtszeit in vielerlei Bearbeitungen und Musiken. Die Geschichte des Findelkindes Mowgli hat seit der Premiere des Disney-Filmes vor 45 Jahren ununterbrochene Konjunktur.
Die Regisseurin lässt in der kammerspielartigen Nordharz-Einrichtung des Stücks (Dramaturgie: Sebastian Fust) viele Szenen an der Rampe spielen. Sie setzt auf den Dialog der jungen Zuschauer mit Mowgli (Till Petri), mit dem Erzähler und Tiger-Darsteller Gerold Ströher und den anderen wilden Tieren.
Jeder in dem kleinen Ensemble - außer dem Dschungelkind - tritt dabei in bis zu vier verschiedenen Rollen auf. Hervorragend in geradezu artistischer Gelenkigkeit Teresa Zschernig als schlanke damenhafte Schlange Kaa mit ihrem Rap (und ihrer Häutung) und als Geier Chul. Julia Siebenschuh heimst einen Großteil des Beifalls für die liebenswert-pfiffige Gestaltung des pummeligen Bären Balou ein.
Gregor Faubel macht eine in jedem Fall herausragende Figur als eleganter schwarzer Panther Baghira und als Geier Chil. Mit Illi Oehlmann gibt er noch ein gewitztes Affen-Duo. Da waren viele Figurenhaltungen zu finden, und das gelang sehr überzeugend. Die Musik kam vom Band - die Akteure sangen live. Und jeder der Akteure konnte singen!
Mowgli findet seine indische Menschenfreundin
Merkwürdig nur, dass sich keiner der Titel als Ohrwurm festhakte. Weder der Affensong "Hugga Hagga Hugga" noch "Bum, bum, bum, ich hör\' die Trommeln" noch "Keine Feier ohne Geier" noch der Tiger-Song "Sei mal richtig böse". Nicht die stärkste Musik von Konstantin Wecker - zumal die Inszenierung seines Kindermusicals "Pettersson und Findus" durch das Nordharzer Städtebundtheater aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung ist.
Ausstatterin Wiebke Horn und Grafikerin Gabi Altevers folgten mit Bühnenbild und Programmheft den Anregungen des Musical-CD-Covers.
Mowgli und sein Urwald sahen so aus, wie man sich den Dschungel vorstellt - geheimnisvoll und vielfach veränderlich in Licht und Schatten(spiel). Dazu brachten Ausstattung, Maske und Schneiderei das Kunststück fertig, die Darsteller so zu kostümieren, dass man sie in den vielen Rollen nicht wiedererkannte. Nach gut 80 Minuten findet Mowgli endlich seine indische Menschenfreundin, nachdem der böse Tiger Shir Khan durch den gemeinsamen Kindergesang "Shir Khan hat keine Freunde" zum Vegetarier mutiert ist. Ende gut - alles gut.