Franziska Bopp spielt in der "Magdeburger Zauberflöte" und ist auf Entdeckungstour Auf den Spuren Otto Reutters
Sie ist eine Opernsängerin mit großer komödiantischer Begabung. Geboren wurde die Wahlberlinerin Franziska Bopp in Tübingen. Derzeit gastiert sie im Kabarett-Opern-Air-Spektakel "Die Magdeburger Zauberflöte" im Technikmuseum. Dieses Gastspiel in Sachsen-Anhalt ist für sie spannend. Denn eine der Wurzeln ihres Familienstammbaumes wuchs in Gardelegen.
Gardelegen. Dort verfolgte sie die Spuren des großen Sohnes der Stadt, ihres Urgroßonkels – dem berühmten Coupletsänger Otto Reutter. Sie schüttelt immer wieder mit dem Kopf und strahlt dabei mit der Sonne um die Wette. Denn die junge sympathische Frau, die gerade Gardelegen erkundet, nimmt mit Staunen zur Kenntnis, wie sehr ihr Urgroßonkel Otto Reutter auch heute noch – fast 80 Jahre nach seinem Tod – das Bild Gardelegens prägt.
Hier tragen nicht nur öffentliche und private Einrichtungen den Namen des bekannten Sohnes der Stadt. Hier gibt es ebenso fassbare Spuren, die Franziska Bopp verfolgen will. "Ich war schon immer neugierig darauf, mehr über Otto Reutter zu erfahren", erzählt die 32-Jährige.
Schon als kleines Mädchen lernte sie die Couplets und Geschichten von und um Otto Reutter kennen. Vor allem durch ihre Oma Hildegard, die viele persönliche Begegnungen und Erlebnisse mit ihrem Onkel Otto verband. "Gemeinsam mit meiner Oma sangen wir die Lieder von Otto Reutter und sie wusste viele Anekdoten zu erzählen. Beispielsweise über seinen ersten Auftritt im Berliner "Wintergarten", wo er eine tragende Rolle als Vollmond hatte," schmunzelt die Opernsängerin.
Erinnern kann sie sich an ihre erste akustische Begegnung mit den Platten des Coupletsängers im Elternhaus in Stuttgart. Da hielt sich ihr Interesse noch sehr in Grenzen. Vielmehr nervte sie das schnarrende Geräusch der Originalaufnahmen, mit denen die Couplets von Otto Reutter in ihre Ohren drangen.
Später dann gab es auf CD bearbeitete Neuaufnahmen mit vollem Klang, die Franziska Bopp mit großem Vergnügen hörte. Da allerdings hatte sie bereits die Neugierde gepackt, mehr über den berühmten Urgroßonkel zu erfahren.
Sicherlich ist nicht in Erfahrung zu bringen, ob Otto Reutter den musikalischen Keim in die Familie pflanzte oder bereits in Generationen vorher das künstlerische Gen gewachsen war.
Aber auf alle Fälle sind in der Familie die musischen Begabungen dominant. Da war nicht nur die Oma, die wunderbar erzählen und singen konnte, auch die beiden älteren Brüder von Franziska Bopp sind ausgebildete Musiker.
Die Mutter widmete sich der musikalischen Früherziehung nicht nur ihrer eigenen Kinder, sondern gründete als Lehrerin eine Privatschule. Und der Vater ist ein enthusiastischer Alpenhornbläser.
Für Franziska stand schon früh außer Frage, dass es beruflich nur in einen künstlerischen Beruf gehen kann. Schon als Kind hatte sie Cello-Unterricht, überlegte, das Instrument als Hauptfach zu studieren. Aber irgendwie wurde es dann der Gesang, warum weiß sie eigentlich gar nicht so genau zu sagen.
Aber: "Bereits während des Abiturs hatte ich die Entscheidung getroffen, Operngesang zu studieren und habe mich gezielt an der Musikhochschule in Karlsruhe beworben". Hier studierte sie bis zum erfolgreichen Abschluss fünf Jahre lang.
Viele Parallelen in den Lebenswegen
Erstaunt zeigt sie sich darüber, dass sie bei den Recherchen um Otto Reutter, die sie in Berlin begann, immer wieder auf Parallelen zu ihrem eigenen Weg trifft. So ging der Urgroßonkel von Gardelegen zunächst nach Karlsruhe und entschied sich danach für Berlin.
Dort schaffte er seinen künstlerischen Durchbruch und wurde einer der erfolgreichsten Künstler seiner Zeit.
Für die freiberufliche Künstlerin ist das Engagement in der "Magdeburger Zauberflöte" ein Glücksfall in doppelter Hinsicht. "Natürlich habe ich mich sehr über das Angebot gefreut und die Arbeit macht mir riesigen Spaß und ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung", resümiert die Wahlberlinerin.
In der Rolle der Hallenser Bürgermeisterin Erdmute Pfleiderer stellt sie nicht nur ihr schauspielerisches und komödiantisches Können unter Beweis. Es sind vor allem auch die musikalischen Anforderungen, mit denen sie unter anderem mit Bravour die Arie der "Königin der Nacht" interpretiert und das Publikum begeistert.
Die Zeit zwischen den Vorstellungen nutzt die Sängerin, um ihre Recherchen über ihren Urgroßonkel fortzusetzen. "Ich bin das erste Mal in Sachsen-Anhalt und da war ein Besuch in Gardelegen ein Muss." Allerdings hatte sie nicht erwartet, dass die Stadt ihr so viele "Begegnungen" mit Otto Reutter bieten würde.
So traf sie ihn in plastischer Lebensgröße in der Ernst-Thälmann-Straße, wo 2002 Heinrich Apel dem Sohn Gardelegens ein Denkmal gesetzt hat. Das Museum Gardelegen birgt eine Dauerausstellung und auf dem Friedhof gibt es um das Grab des Künstlers ein Ehrenmal. In der Sandstraße 10 erinnert eine Platte mit Inschrift an das Geburtshaus und in der Stendaler Straße steht das Haus der Großmutter, das Otto Reutter oft besuchte.
Für Franziska Bopp war diese Stippvisite beeindruckend. Vor allem gab sie ihr weitere Impulse, um ihre Recherchen über ihren berühmten Vorfahren vor allem auch in Sachsen-Anhalt fortzusetzen.