„Vom Bauhaus in die Welt“

Vita Xanti Schawinsky: 1904 in Basel als Sohn jüdischer Eltern geboren, 1923 Kunstgewerbeschule Berlin, 1924 Bauhaus in Weimar, ab 1925 in Dessau, 1929 bis 1931 Leiter der Grafikabteilung des städtischen Hochbauamtes in Magdeburg, 1931 Übersiedlung nach Berlin, 1933 Emigration nach Italien, 1935 Übersiedlung nach London, ein Jahr später nach North Carolina in die USA, Lehrer am Black Mountain College, ab 1941 Lehrtätigkeit am City College of New York und an der New York University. 1966 Errichtung eines selbst entworfenen Hauses am Lago Maggiore, längere Aufenthalte in Europa. 1979 Tod in Locarno (Schweiz).

Die Ausstellung „Vom Bauhaus in die Welt“ ist bis zum 25. September zu sehen. Sie gehört zum Projekt „Große Pläne!“ der Stiftung Bauhaus Dessau.

Öffnungszeiten des Kunstmuseums: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags bis 18 Uhr.

Magdeburg l Xanti – eigentlich Alexander – Schawinsky war noch nicht 20, als er ans Bauhaus ging. Er war erst Mitte 20, als ihn der Architekt und Städtebauer Johannes Göderitz nach Magdeburg holte. Göderitz war zuständig für die Stadtplanung. Schawinsky wurde Leiter der Grafikabteilung des städtischen Hochbauamtes. Diese Magdeburger Schaffenszeit in der wechselvollen Biografie des schweizerischen Künstlers ist Teil der morgen eröffnenden Ausstellung im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen. „Vom Bauhaus in die Welt“ richtet den Blick auf das gesamte Oeuvre des Multitalents, beleuchtet aber vor allem die Lern-Zeit am Bauhaus, erst in Weimar, dann in Dessau, sowie die Lehrtätigkeit am Black Mountain College in den USA.

Museumschefin Annegret Laabs, die sich für die Ausstellung intensiv mit dem lange Zeit vergessenen Künstler beschäftigt hat, spricht von einem außergewöhnlich kreativen Kopf und einem vielseitigen Menschen mit wachem Interesse für alles Neue.

Autofahrt über die Leinwand

So zeigt das Kunsthaus Schawinsky als Suchenden, als Experimentierer. Schon an seinen frühen Arbeiten am Bauhaus lässt sich erkennen, wie wichtig ihm das Spiel mit Raum und Farbe, Bewegung und Licht war. In seinen mit geometrischen Grundformen gezeichneten Spectodramen, jener Idee eines Theaters, das durch andere Medien erweitert wird, geht er der Frage nach, wie sich Raum erfahrbar machen lässt. Schawinsky arbeitete mit Oskar Schlemmer, richtete am Bauhaus Dessau eine Bühnenabteilung ein, wurde Lehrer für Bühnenbilddesign.

Bilder

Zu seinen Bühnenentwürfen für die Theaterausstellung in Magdeburg 1927 gehört eine von ihm erdachte Kugel mit mittigen Ebenen für die Schauspieler. Laufbühnen. Fahrstuhl. Wasserbecken. Die einfallsreiche Idee trägt Zirkuszüge. Verwirklicht wurde sie nie. Das Stück „Olga, Olga“ hingegen kam 1926 in Dessau zur Aufführung. Die Originalzeichnung der Kombinations-Kulisse ist ausgestellt, ebenso deren Nachbau. Auf Fotografien festgehalten sind Bühnenelemente und Tänzer – mittendrin der tanzende Schawinsky.

Schon in Dessau hatte er werbegrafische Aufträge angenommen und mit Fotografie experimentiert. In Magdeburg ist sein Name vor allem verbunden mit seinen Designs für Ausstellungen, Theater und Museen, mehrere Fotos aus dem Archiv der Landeshauptstadt erweitern die ähnlich gezeigte Schau im Migros-Museum um den wichtigen regionalen Aspekt.

Schawinsky teilt das Schicksal vieler Bauhäusler – er, Sohn jüdischer Eltern, musste Europa den Rücken kehren. In den USA lehrte er und experimentierte immer weiter. Auch in der Malerei. Er fuhr mit Autos durch Ölfarbe und anschließend über Leinwände und tanzte mit Schuhen seine Bilder.

Schawinsky wechselte die Genres und fühlte sich in dieser Vielfalt wohl. So zeigt ihn auch die Schau: malend, tanzend, musizierend.

Eröffnet wird die Ausstellung „Vom Bauhaus in die Welt“ am Sonntag um 15 Uhr im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen.