Stendal/Magdeburg l Wenn im November 2018 das Dommuseum Magdeburg seine Türen öffnet, dann werden auch die bescheidenen Reste der Mitra des einstigen Erzbischofes Dietrich von Portitz zu sehen sein. Sie stammen aus dem Grab des Kirchenfürsten, auf das Archäologen im Jahr 1896 bei Grabungen in Magdeburg gestoßen waren. Mehr aus dem Grab ist nicht erhalten geblieben. Ein Brand im Zweiten Weltkrieg hat das Skelett, Kleidung und Beigaben vernichtet.

Dass sich der Name Dietrich von Portitz in der Ausstellung des Dommuseums wiederfinden wird, hat mit seiner Karriere zu tun. Von Portitz war Erzbischof von Magdeburg, er hat das Erzbistum befriedet und gefestigt. Und er gilt als Vollender des Magdeburger Domes. Zuvor war er am Hofe Karl IV. und gestaltete dessen Politik mit.

Aufstieg am Hofe von Karl IV.

Jetzt wird 50 Kilometer nördlich von Magdeburg, im einstigen Kloster St. Katharinen, dem heutigen Sitz des Altmärkischen Museums, die Laufbahn jenes Mannes erzählt, der um 1300 in Stendal als Sohn eines Tuchmachers geboren worden war und zu einem der Mächtigen im Heiligen Römischen Reich aufstieg.

Wenn Eberhard Kemnitz, der Kurator der Ausstellung, über Dietrich von Portitz, genannt Kagelwitz, spricht, dann schwingt da jede Menge Hochachtung mit. Der leidenschaftliche Geschichtsfreund war es, der die Lebensstationen des Herrschers bereiste. Lehnin, wo der junge Dietrich in das Zisterzienserkloster eintrat und als Wirtschaftsleiter mit ökonomisch-glücklichem Händchen erstmals von sich reden machte, Brandenburg, Avignon, Prag.

Wie aber schaffte es ein Bürgersohn, in der kirchlichen Hierarchie so weit nach oben zu klettern? Entscheidend sei die Ernennung zum Titularbischof von Sarepta durch Papst Clemens IV. von Avignon gewesen, sagt Kemnitz. „Zwischen Altmark und Avignon“ ist denn auch die Ausstellung überschrieben – weil Dietrich von Portitz für Karl IV. in dessen Diensten immer wieder den einst so beschwerlichen Weg von Prag nach Südfrankreich auf sich nahm. Avignon war Papst-Residenz und Karl pflegte die Zusammenarbeit mit den Oberhäuptern. Von Portitz vermittelte. Kemnitz nennt ihn einen Chefdiplomaten.

Von Prag nach Magdeburg

Wie wurde der König von Böhmen und spätere römisch-deutscher Kaiser auf den gebürtigen Stendaler aufmerksam? „Das ist unklar“, sagt Kemnitz, der ansonsten so vieles erforscht hat. Auf Bannern sind in der Ausstellung Bilder von Prag zu sehen, ein Haus in der Altstadt, in dem Portitz einst wohnte. Er war um 1350 nach Prag gekommen, wurde enger Ratgeber, Finanzmann, Vertrauter, Stellvertreter Karl IV. Unter dessen Ägide wurde Prag zur „goldenen Stadt“ mit Hradschin, Veitsdom und Karlsbrücke – und von Portitz zu einem der mächtigsten Männer in Böhmen. Nicht nur seine Macht, auch sein Reichtum wuchs. Das habe seinem Ansehen geschadet, sagt Kemnitz. Auch sei er immer als Fremder, als Altmärker angesehen worden.

Da passte es in Karls Konzept, seinen beflissenen Gefolgsmann nach Magdeburg auf höchst einflussreichen Posten zu delegieren. „Der Kaiser brauchte am Mittellauf der Elbe, in der Nachbarschaft Brandenburgs, einen durchsetzungsfähigen ,Statthalter‘, denn er hatte kühne Pläne zum Ausbau des Elbhandels“, heißt es in der Ausstellung. Der gebürtige Stendaler trieb die Arbeiten am Magdeburger Dom voran und ließ die feierliche Weihe 1363 prunkvoll gestalten. Vor 650 Jahren, am 16. Dezember 1367, verstarb Dietrich von Portitz und wurde im Dom von Magdeburg, seiner Bischofskirche, beigesetzt.

„Zwischen Altmark und Avignon“ noch bis zum 18. Januar im Altmärkischen Museum Stendal, Schadewachten 48.