Magdeburg l 1892 hatte Wien zur ersten Theater-Ausstellung geladen, 1910 dann Berlin. In den Reigen dieser Großstädte sollte sich das kleine Magdeburg einreihen. Verstecken musste sich die Stadt nicht. Magdeburg stand damals für einen Aufbruch zu neuen Ufern, für Architektur-Moderne, für Siedlungsbau und soziales Bewusstsein beim Bauen. Bruno Taut, der einstige Stadtbaurat, bastelte an einer Zukunftsstadt.

Zu all diesen Visionen passte der Mut zu einer großen deutschen Theaterschau. Magdeburg baute eifrig an einem neuen Image, hatte sich Anfang der 1920er Jahre bereits einen Namen als Messestadt gemacht, zur Wiederaufbau-Ausstellung MIAMA in neue Hallen geladen, 1925 mit der großen Reichszuckerausstellung Erfolge gefeiert. Das gab Rückenwind für die Idee, zum 50. Geburtstag des hiesigen Stadttheaters im Jahr 1926 die Deutsche Theater-Ausstellung auszurichten. Visionen auch dort: Man wollte sich nicht wie einst Wien und Berlin auf Historisches beschränken. Magdeburg richtete seinen Blick auf das Theaterleben der Gegenwart.

Vieles wurde zerstört

Um ein Jahr wurde die Ausstellung verschoben – die Pläne waren gewaltig. Innerhalb von zwei Jahren wurde ein Ausstellungsgelände zwischen Elbe und Adolf-Mittag-See auf der Stadtpark-Insel neugestaltet. Wilhelm Deffke, seit 1925 Leiter der Kunstgewerbeschule, wurde zum künstlerischer Leiter der Theater-Ausstellung berufen. Die architektonische Gestaltung lag anfangs in seinen Händen, nach inhaltlichen Differenzen war später der Architekt Albinmüller zuständig.

Heute deutet nur noch weniges auf die Bebauung hin. Das Pferdetor hat den Zweiten Weltkrieg überlebt, ebenso die von Johannes Göderitz geschaffene, 1927 eingeweihte Stadthalle, der sanierte Albinmüller-Turm sowie zwei Lichtstelen, die einst mitten im weitläufigen Ehrenhof standen.

Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotografien in der Ausstellung „maramm“ im Forum Gestaltung, einstiger Sitz der renommierten Kunstgewerbeschule, erinnern an die Probebühne, die Ausstellungshallen, den sogenannten Ehrenhof, den Säulengang, an die mit großen Schriftzügen versehenen Werbe-Türme an der Friedrich-Ebert-Brücke, auch an den Ausstellungsturm, in dessen gläserner Turmkrone ein Café zum Verweilen und zum Rundumblick einlud. Neben Fotografien sind ein Sektservice, Plakate mit dem Maske-Logo, Leporellos, eine von Albinmüller unterzeichnete Kontruktionszeichnung vom Aufbau der Lichtstelen, „Die vierte Wand“, eine Zeitschrift zur Begleitung der Deutschen Theater-Ausstellung, zu sehen.

Am Fuß des 61 Meter hohen, von Albinmüller geschaffenen Turmes trafen sich zwischen Mai und Oktober 1927 Künstler, Kritiker, Theaterdirektoren aus ganz Deutschland. Ensembles zeigten Inszenierungen. Ausstellungen und Vorführungen gaben Einblicke in vielfältige Theaterkunst, in Gewerke wie Theatermaler und Kostümbildner, in Brandschutz, in Bühnentechnik. Mehr als 200 Kongresse und Tagungen beschäftigten sich mit Themen rund um das Theaterleben.

Eine schwimmende Bühne

Es gab eine schwimmende Bühne. Sonderzüge fuhren aus Deutschland nach Magdeburg. Die „New York Times“ berichtete von der Eröffnung. Zu den Gästen zählten Klaus und Erika Mann und Gustaf Gründgens. Wie viele Besucher insgesamt kamen, ist nicht überliefert.

Der französische Theatermann Firmin Gémier schrieb: „Ihr alle, die ihr vom Theater und für das Theater lebt, reist nach Magdeburg und seht euch diese Ausstellung des deutschen Theaters an.“

Die Theaterausstellung von 1927 ist nur ein Aspekt in der „maramm“-Schau, die dem Besucher Magdeburg als Stadt der Moderne nahebringen will. Er steht aber sinnbildlich für das Aufblühen nach zerstörerischem Weltkrieg und Kaiserreich, für visionäres kulturpolitisches Denken.

Ausstellung „maramm – Magdeburg Reklame und Ausstellungsstadt der Moderne“, Forum Gestaltung, Brandenburger Straße 10, bis 11. Dezember, geöffnet täglich 12 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.