Woody Allens Kultkomödie "Spiel\'s nochmal, Sam" begeisterte im Magdeburger Schauspielhaus das Publikum Balanceakt zwischen Ironie und Melancholie
Magdeburg l Woody Allen kann man, zumindest künstlerisch, nicht über den Weg trauen. Wenn er sein Stück "Spiel\'s nochmal, Sam" eine romantische Komödie nennt, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine ist. So wie er selbst, passt nichts von ihm in irgendeine Schublade.
In dieser Inszenierung hat Raimund Widra den Part übernommen. Das war ein Glücksgriff. Die besondere Schwierigkeit der Rolle besteht darin, dass der omnipräsente Woody Allen diese Komödie für sich und um sich herum geschrieben hat. Man kommt an ihm einfach nicht vorbei. Dem zu entsprechen und gleichzeitig noch eigene Akzente zu setzen, kommt der Quadratur des Kreises gleich.
Raimund Widra macht es Regisseur Jonas Hien da leicht. Er ist von Anlage und Habitus her eine Idealbesetzung, ganz dicht im Äußeren wie beim Rollenverständnis bei Woody Allen. Das erleichtert vieles, ist aber auch nicht ungefährlich, denn Woody Allen verbirgt unter dem Mantel beißender Ironie und Sarkasmus oft tieftraurige Melancholie. Raimund Widra traf diesen Zwischenton, zumindest anfänglich, nicht immer. Doch mit zunehmender Spieldauer und den "leiseren Tönen" wurde er immer überzeugender.
Der Inhalt des Stücks ist streng genommen banal. Ein von seiner Freundin verlassener Filmkritiker flüchtet sich in seinem Schmerz in von ihm verehrte Film-Heroen und Heroinen, steht sich bei Neueroberungen stets selbst im Weg und verliebt sich schließlich in die Frau seines besten Freundes. So weit so einfach, wenn Woody Allen in den Klischee-Schubladen nicht immer so lange wühlen würde, bis die ganze Zwiespältigkeit des menschlichen Seins für jeden sichtbar wäre.
Genau diese Intention verkörpert Iris Albrecht als Linda Christie und Frau des besten Freundes. Ihr nimmt man ohne Zögern die tiefe innere Wandlung ab; von der neidvollen Bewunderin des Trennungsschmerzes zur Beschützerin und schließlich zur flüchtigen Geliebten von Allan Felix.
Um die beiden Rollen-Protagonisten Linda Christie und Allan Felix dreht sich das Theaterstück, wenngleich der beste Freund Dick Christie, gespielt von Axel Strothmann sowie die ungetreue Nancy, Marlène Meyer-Dunker, einen gewichtigen Anteil an der gelungenen Inszenierung haben.
Der Humor, gelegentlich auch sarkastisch mit einer Prise Zynismus, trägt diese moderne Komödie, gespickt mit vielen köstlichen Regie-Einfällen. Mit deren Hilfe wird der beständige Wechsel zwischen Fiktion der Filmwelt und Realität zu einem unterhaltsamen Handlungsstrang. Ein Kompliment auch an Simone Steinhorst, die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnete. Ausgemachte Filmliebhaber sollten sich den Leckerbissen "Spiel´s nochmal, Sam" nicht entgehen lassen, denn Theater ist eben doch mehr als Film.
Nächster Termin: 7.12., 19.30 Uhr.