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Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zeigt Animationsfilme von Pia Maria Martin Brückenschlag vom Barock in die Gegenwart

Von Klaus-Peter Voigt 30.11.2012, 01:15

Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen hat seit geraumer Zeit neue Medien im Blick. Bei der Erweiterung der eigenen Sammlung kommen sie zum Zug. Videos, Filme oder Fotografien finden Eingang in die Depots.

Magdeburg l Zugegeben: Das Wort neu stimmt bei genauer Betrachtung nur im Ansatz, denn Künstler haben sich dem Film und der Fotografie schon seit ihrem Entstehen gewidmet. Das bei der Sanierung des Hauses ausgebaute Dachgeschoss soll künftig eine Heimstatt für diese Kunstrichtungen sein.

Mit der Präsentation von Arbeiten der in Stuttgart lebenden Pia Maria Martin - zu sehen bis zum 17. Februar kommenden Jahres - gelangt der Animationsfilm in den Blick der Museumsbesucher.

Zehn Streifen, allesamt in der traditionellen 16-mm-Technik entstanden, lassen Raum für Phantasie, zeigen die Möglichkeiten scheinbar überkommener Methoden, lassen für einen Moment die fast makellosen Computeranimationen vergessen.

Da greift die Künstlerin auf die barocken Motive der Stillleben niederländischer und flandrischer Maler zurück. Im gleichen Duktus arrangiert sie Früchte, Blumen, Musikinstrumente und anderes. Beleuchtung und Farbwahl orientieren sich an den Arbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts.

Würfel trudeln und ein Geigenbogen spielt

Dann kommt die Animation zum Einsatz. Töne und Bewegungen verleihen dem nur scheinbaren Standbild ein Eigenleben. Das Kunstmuseum spendierte für die Wiedergabe der Filme alte Rahmen, die den Eindruck komplettieren.

Da beginnt eine Kerze zu verlöschen. Wie von der Dunkelheit angeregt, fangen zwei Würfel an zu trudeln, eine Sanduhr läuft unablässig, und der Geigenbogen spielt auf seinem zu ihm gehörenden Instrument.

In einem weiteren Streifen zeigt der Blumenstrauß in der gerafften Zeit seine Vergänglichkeit. Es werden in wenigen Minuten kleine Geschichten erzählt, überraschende Wendungen und Aktionen lassen eine fast surrealistische Realität entstehen. Dann wieder geht die Kamera auf Entdeckungsreise durch eine unaufgeräumte Wohnung. Wieder entfalten die Gegenstände ein Eigenleben. Der Wunschtraum eines jeden wird wahr: In kürzester Zeit herrscht aufgeräumte Ordnung. Selbst der Müll entsorgt sich wie von Geisterhand getrieben.

Streitbar bleibt die Verwandlung eines Suppenhuhns. Die "Rückverwandlung" des toten Tieres, das seinen eigenen Körper zusammennäht, mag eines gewissen Hintersinns nicht entbehren und auch durchaus mit Augenzwinkern umgesetzt zu sein. Doch da wird der Betrachter auch Grenzen sehen. Nicht alles Machbare entspricht ethischen Grundsätzen.

In einem leerstehenden Gebäude tanzen die Treppen

Einige der Kurzfilme nutzen das fast überholt scheinende Schwarz-Weiß-Format. In einem leerstehenden Gebäude hält die Kamera Bewegung fest. Türen öffnen sich, Deckenverkleidungen beginnen sich wellenförmig anzuheben, eine fast mystische Stimmung entsteht. Schließlich erlebt der Zuschauer, wie sich Treppengeländer im Klang der Filmmusik bewegen, regelrecht tanzen, bevor vermutlich die Abrissbirne anrückt.

Pia Maria Martin erfindet die Handlungen, inszeniert. Dabei greift sie auf Traditionelles zurück und findet moderne Lösungen. Sehenswert sind ihre Arbeiten auf jeden Fall. Die Inspirationen der Künstlerin erweisen sich als phantasievolle Reflexionen von Vorhandenem.